Baustelle Luftbild Rohbau

Lean Construction Praxis Grundlagen Teil 1

Zufriedene Bauherren und reibungslose Bauabläufe sind dank Lean Construction Methoden keine Utopie mehr. Die Fehlerquote auf Baustellen lässt sich deutlich senken. Das Rezept dafür hat nur zwei Zutaten: 1. Die Beteiligten investieren sehr bewusst Zeit in Abstimmung, denn sie sind überzeugt, dass sich diese Investition auszahlt. 2. Das Projekt rückt in den Mittelpunkt.

Das Ziel von Lean Management ist die Optimierung von Bauprozessen. Ziel dabei ist es, enge Zusammenarbeit sowie Prozesstransparenz und -stabilität im Bauablauf zu optimieren. Durch detaillierte und abgestimmte Planung der Bauausführung aller Projektbeteiligten soll ein kontinuierlicher Bauablauf erreicht werden. Hauptziele dabei sind:

  • Optimierung der Schnittstellen im Bauablauf
  • Störungsfreier Bauablauf
  • Frühes Erkennen von Chancen, Risiken und Hindernissen
  • Minimierung von Verschwendung von Ressourcen und Material
  • Optimierung von Baulogistikprozessen
  • Verringerung von Mängeln der Bauausführung
  • Einhaltung von Terminen, Qualität und Budget

Die Zusammenarbeit aller Fachplaner, Fachbauleiter und ausführenden Firmen bildet dafür den Grundstein.

Lean Construction Management in der Praxis – was wird benötigt?

  1. Der Lean Construction Raum: Der LC Raum bietet Termintafeln, Übersichtpläne und Besprechungsmöglichkeiten und wird projektbeteiligten Planungs- und Architekturbüros, dem Bauherr, dem Bauüberwacher, den Auftragnehmern als auch von Lieferanten für die Dauer des Projekts gemeinsam genutzt. Er gilt damit als zentraler Raum zum Planen der Einzelaktivitäten sowie dem Aufzeigen, Analysieren und Lösen von Schnittstellenproblemen.
  2. Last Planner System©: Es wurde in den 90er Jahren von H. Glenn Ballard und Gregory A. Howell entwickelt. Das System hat das Ziel, Arbeiten detaillierter zu betrachten und von Hindernissen zu befreien, je näher der Zeitpunkt der geplanten Ausführung rückt. Die wesentlichen Bausteine des LPS sind die Pull-Planung, die Vorschauplanung, die Hindernisanalyse, die Wochen- und Tagesplanung sowie das stetige Lernen und Verbessern.

Prozesse und Methoden

In einem Bauprojekt dient Lean Construction im wesentlichen drei Zielen:

  1. Der Erstellung des Detailterminplans anhand von Analysen der Prozesse
  2. Der Koordination der Bauabläufe während der Realisierung
  3. Der Koordination der Schnittstellen Planung und Realisierung

Es geht um eine koordinierte Vorabstimmung aller Abwicklungsstrategien und der Randbedingungen zur Erstellung aller Detailterminpläne durch die Projektbeteiligten. Die abgestimmten Detailterminpläne bilden nämlich die Grundlage zur Disposition von Planung, Beschaffung und Bauausführung bis hin zur Inbetriebnahme und berücksichtigen dabei wesentliche Schnittstellen für die Realisierung. Der Detailterminplan stellt somit das „Soll“ für den Bauablauf dar und wird durch regelmäßig stattfindende Besprechungen dem zugesagten „Kann“ und erreichten. „Ist“ im Rahmen einer rollierenden 6-Wochenvorschau gegenübergestellt. Deren Basis ist eine rollierende 6-Monatsvorschau der Realisierung, die den Bedarf an Planung und Arbeitsvorbereitung aufzeigt.

In den nachfolgenden Kapiteln werden weitere Einzelheiten der drei Prozessen beschrieben.

Die Anwendung des Last Planner Systems

Das Last Planner System ist ein wesentliches Werkzeug im Lean Construction. Mit ihm werden die Aktivitäten durch Aktivitätskarten (Plankarten) an der Tafelplanung repräsentiert. Die wöchentlichen Meetings, die die Grundlage für die Wochenplanung darstellen, sollten jedoch nicht als Ersatz zu den üblichen Baubesprechungen verstanden werden, sondern diese ergänzen. Dabei wird darauf geachtet, die Besprechungszeiten möglichst kurz zu halten. Die Vorbereitung der einzelnen Sitzungsteilnehmer gestaltet sich so, dass jeder bereits im Vorfeld einen eigenen Wochenplan erstellt und diesen mit Vorlaufzeit an das LC Team übermittelt. Dieses hat dann die Aufgabe, sämtliche eingereichten Pläne zusammenzufügen und diese, soweit möglich, bereits zu koordinieren. Dadurch verringert sich der Aufwand, der innerhalb der Treffen durch die Gruppe zu erbringen ist, erheblich. So bleibt nur noch das Einholen verbindlicher Zusagen und die finale Koordination der Beteiligten. Im Laufe dieser Sitzungen werden neben dem Wochenarbeitsplan auch Sicherheitsfragen, Ressourcen, Baulogistik und sämtliche anderen Randbedingen berücksichtigt, die während der Bauausführung auftreten.

Eventuell erkannte Hindernisse und Risiken, die in der 6-Wochen Vorschau zu erwarten bzw. bekannt sind, werden in der Tafelplanung erfasst. Aufgaben zur Beseitigung dieser Hindernisse werden vereinbart, zugeteilt und dokumentiert. Die Wochenbesprechungen und Tagesbesprechung dienen ausdrücklich nicht der Problem- und Hindernislösung. Somit soll ein zeitlich gestraffter
Besprechungsrahmen gewährleistet werden. Folgende weitere Regeln sind dabei einzuhalten:

  • Lege alle Pläne und Vorgaben jeder Detailebene stets öffentlich zugänglich aus
  • Plane die 6 Wochen Vorschau
  • Plane nach Bedarf um, um die Ablaufpläne an die Realität in Reaktion auf bestehende oder erwartete Randbedingungen anzupassen
  • Analysiere und beseitige gemeinsam mit den anderen die Hindernisse für geplante Aufgaben im Team
  • Steigere die Verlässlichkeit geplanter Arbeitsabläufe, um die Leistung als Ganzes zu verbessern
  • Starte keine Aufgaben, die du nicht abschließen sollst oder nicht abschließen kannst
  • Gebe nur gesicherte Zusagen ab und melde dich sofort, wenn du deine Zusagen nicht mehr halten kannst
  • Lernen aus Fehlern bzw. den Konsequenzen