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IPA Integrierte Projektabwicklung für Bauprojekte

Dieser Beitrag zeigt das Modell der Integrierten Projektabwicklung (IPA)  und wesentliche Bestandteile eines Mehrparteienvertrages. IPA mit Mehrparteienvertrag ist gut für alle Bauprojekte, allerdings eignet sich IPA besonders bei großen Bauaufgaben mit größerem zeitlichen Vorlauf. Für die Planungsphase muss in IPA Projekten mehr Zeit vorgesehen werden. Die Integrierte Projektabwicklung lehnt sich an das amerikanische Modell der Integrated Project Delivery (IPD) und dem englischen Project Partnering (PP) an. Bereits 2021 wurden in Deutschland zahlreiche öffentliche und private Großprojekte als IPA abgewickelt. Ein Mehrparteienvertrag regelt den Planungs- und Bauprozess unter Beteiligung wesentlicher Planungs- und Ausführungsgewerke. Die Expertise aller fließt dadurch frühzeitig in die Planung ein. Diese unmittelbare Zusammenarbeit der Bauplaner erhöht die Qualität und macht die Planungsarbeit effektiver. Alle sogenannten Schlüsselgewerke werden bereits im Vorentwurf eingebunden.

IPA ist ein ganzheitliches Projektabwicklungsmodell, in dem alle Handlungsfelder (Kultur, Organisation, Ökonomie und Methodik) ausgesteuert werden, um die Zusammenarbeit im Hinblick auf die Projektziele maximal zu fördern. Die Projektpartner eines Mehrparteienvertrages synchronisieren dabei ihre Arbeit, um das Bauprojekt im Interesse des Bauherrn bestmöglich vorzubereiten, zu planen und umzusetzen. Auf Basis der nachfolgend beschriebenen Grundsätze ziehen alle Beteiligten zusammen an einem Strang.

Projektkultur bei IPA

IPA setzt voll auf Kollaboration der Schlüsselgewerke Objektplanung, Rohbau, Fassade, TGA und TGA-Planung. Haltung und Verhalten der Projektbeteiligten spielen eine entscheidende Rolle. Die wesentliche Führungsaufgabe bei IPA ist daher der Aufbau einer kollaborativen Teamkultur. Verantwortliche und Projektpartner sollten sensibel sein für die Wichtigkeit von Kultur auf die gemeinsame Arbeit. Sie müssen kommunikativ kompetent sein und sollten ein gutes Führungsverhalten haben.

Auswahl der richtigen Projektpartner

Es kommt darauf an, die richtigen Baumenschen zu finden. Die Auswahl der Partner sollte darum sorgfältig und gewissenhaft erfolgen, denn der Erfolg hängt von den handelnden Personen ab. Die Auswahl der Partner im anstehenden Auswahlverfahren erfolgt primär nach fachlichen Qualitätskriterien (Kompetenz), um schon früh das optimale Know-how zur Planung und Durchführung zu gewinnen. Ein wichtiges Auswahlkriterium ist die Bereitschaft und die Fähigkeit, im IPA-Projektabwicklungsmodell konstruktiv und partnerschaftlich zusammenzuarbeiten. In diesem Beitrag erfährst Du, wie man das Auswahlverfahren aufsetzt. Ein Lean Construction Assessment ist ein bewährter Weg, um geeigneter Personen zu finden. Das Expertenteam von Baumensch unterstützt Dich gerne bei Deinen IPA-Projekten – schreib uns einfach eine kurze Nachricht.

Grafik IPA Phase 0 Team Auswahl

Lean-Management und BIM einsetzen

Um maximalen Nutzwert zu erreichen, sollten Lean Management, insbesondere das Target-Value-Design und das Last Planner System zur Anwendung kommen. Die Planungsmethode BIM unterstützt dabei das kollaborative Planen – vorausgesetzt, alle Partner einigen sich auf eine kompatible Plattform und verfügen über ausreichend Erfahrung mit der Planungsmethode BIM. Kollaborative Arbeitsmethoden sind das Herz eines IPA Modells. Bei der Projektabwicklung empfehlen wir das 3-Phasen-Modell.

 

IPA Phase 1 – Validierung

Nach der Vergabe der Schlüsselgewerke (s.o.) beginnt die erste Phase (Validierungsphase). Die IPA Phase 1 dient der Überprüfung aller Vorgaben des Bauherrn (Programm / Entwurf / Wettbewerb) und der Projektziele hinsichtlich Inhalt (i.d.R. funktionale Baubeschreibung). Es werden dabei auch die Termine und die finanziellen Vorgaben auf Machbarkeit unter die Lupe genommen. Dabei werden alle Partner eines Mehrparteienvertrags eingebunden.  Die sogenannten „Conditions of Satisfaction“ beschreiben die zu erfüllenden Bedingungen.

Grafik IPA Phase 1 Validierung

In der IPA-Phase 1 können durchaus Planungsleistungen erbracht werden – abhängig vom Detaillierungsgrad des Bauherrenprogrammes. Oft entstehen Fragen, die nur mittels eines planerischen Konzeptes gelöst werden können. Eine verlässliche Einschätzung der Bauzeit und der Baukosten ist ofmals das Ziel. Sinnvoll sind u.a. Haustechnik-Konzepte oder Statikberechnungen. Die Validierungsphase wird auf Basis einer separaten Mehrparteienvertragsvereinbarung durchgeführt. Man koppelt diese mit einem Letter of Intent für den späteren Mehrparteienvertrag (Phasen 2 und 3) – der genaue Titel lautet meist “Vereinbarung zur Durchführung der Validierung/LOI”.

Parallel zur Validierungsphase finden Workshops zur Inhalt des eigentlichen Mehrparteienvertrages für die Phasen 2 und 3 statt. Werden die Vorgaben des Bauherrn in der Phase 1 durch die Basiszielkosten und einem Basisprogramm als fortgeschriebenes Bauherrenprogramm bestätigt, geht es weiter. Vom Bauherrn wird dann die 2. Phase auf Basis des fertigen Mehrparteienvertrages IPA-MPV abgerufen.

IPA Phase 2 – Entwicklung der Bauaufgabe und der Zielkosten

In der zweiten Phase werden die wesentlichen Planungsleistungen durchgeführt. Dies geschieht ebenfalls unter Mitwirkung aller Partner. Ziel ist die Erlangung aller Genehmigungen zur Bauausführung und das teilweise Erstellen der Ausführungsplanung. Das Basisprogramm des Bauherrn bestimmt den Rahmen für die zu erbringenden Leistungen. Innerhalb dieses Rahmens legen alle gemeinsam den Leistungsumfang einzelner Partner und die Schnittstellen fest. Das Basisprogramm und der Basiszielpreis werden in dieser Phase gemeinsam weiterentwickelt, detailliert und optimiert. Wie Bau- und Planungsleistungen in IPA-Projekten vergütet werden, erfährst Du hier.

Die zweite Phase endet mit den finalen Zielkosten und einem fortgeschriebenen Bauherrenprogramm inklusive Terminplan. Wenn sich nach dieser Phase die Vorgaben der Validierungsphase bestätigen, wird vom Bauherrn die 3. Phase beauftragt. In der Phase 3 werden die restlichen Planungsleistungen erbracht und das Bauprojekt umgesetzt. Die Abbildung unten zeigt die Bausteine der Integrierten Projektabwicklung IPA im Vergleich zum traditionellen HOAI-Modell. Die einzelnen Phasen der IPA “beleuchten” einen deutlich größeren inhaltlichen Bereich als der HOAI-Verlauf. So bekommen Projekte schon in frühen Phasen deutlich mehr Planungstiefe. Das IPA-Modell benötigt durch die Bausteine Vorbereitung und Auswahl Projektpartner mehr Vorlaufzeit.

Diagramm Ablauf HOAI im Vergleich IPA

IPA Organisation für Entscheidungen im Bauprojekt

Ein Projekt Management-Team (PMT) entscheidet grundsätzlich alle für die Projektausführung relevante Fragen. Jeder der IPA-Partner ist im PMT vertreten und jeder Partner hat eine Stimme. Die Entscheidungen werden immer einstimmig getroffen. Das PMT lässt zudem schon früh ein Risikoregister entwickeln. Daneben bietet sich in großen Organisationen das Einrichten eines Senior-Management-Teams (SMT) an, in dem ebenso alle Partner vertreten sind. Das SMT soll das PMT bei Bedarf unterstützen. Zudem entscheidet bei Dissens im PMT oder anderen, ihm zugewiesenen Fällen.

Das erweiterte Projektteam besteht darüber hinaus aus interdisziplinären Arbeitsteams, den sogenannten Project Implementation Teams (PIT). Diese dienen der Integration weiterer wichtiger Beteiligter – bei Bedarf auch Nutzervertreter. Alle Entscheidungen werden ausschliesslich im Sinne des Projektes getroffen und orientieren sich an den Projektzielen. Andere Interessen einzelner Partner bleiben unberücksichtigt! Folgende interessante Regel sollte unbedingt beachtet werden: Der Bauherr kann sich nur über Bauherrenanordnungen über Entscheidungen des SMT hinwegsetzen. Daraus resultierende finanzielle oder terminliche Folgen gehen zu seinen eigenen Lasten.

Hinweise zur Haftung und Haftungsbeschränkung

Die Haftung für Planungs- und Supportleistungen in der ersten Phase sollte auf eine Projektversicherung beschränkt werden, in der alle Partner mitversichert sind. Haftung kann nur bei Vorsatz und grober Fahrlässigkeit entstehen. Alle Beteiligten sollen angstfrei an der Verbesserung von Prozessen, dem Umgang mit Fehlern und der Problemlösung mitarbeiten können. Neue Ideen sollen gefördert, unproduktiver Aufwand vermieden und Schuldzuweisungen und Absicherungen vermieden werden. Die Haftung für Bauleistungen richtet sich grundsätzlich nach den gesetzlichen Bestimmungen. Nachunternehmer eines Partners werden von allen anderen Partnern gemeinsam ausgewählt. Das geschieht im PMT Project Management Team. Alle Partner tragen das Ausfall- oder Schlechtleistungsrisiko des jeweiligen Nachunternehmers gemeinsam. Partner haften nur für beauftragte Nachunternehmer, wenn Ansprüche realistisch durchsetzbar sind.

Kosten, die durch Verzug von Partnern verursacht sind, gelten als abrechenbare Kosten, erhöhen jedoch die Basiszielkosten nicht! Überschreiten die abrechenbaren Kosten die Basiszielkosten, mithin auch die Anteile der Partner am Chancen-Risiken-Pool, setzt für darüberhinausgehende Kosten die Haftung des die Verzögerung zu vertretenden Partners ein. Vertragsstrafen sollten normalerweise nicht vorgesehen werden, da sie dem Kollaborationsgedanken widersprächen.

Haftung tritt nur bei grober Fahrlässigkeit und Vorsatz bei Pflichtverletzungen außerhalb der Hauptleistungspflichten, also bei Verletzung der im Mehrparteienvertrag geregelten Kooperationspflichten ein. Meinungsverschiedenheiten, die nicht im SMT aufzulösen sind, sollten Instrumenten der außergerichtlichen Streitbeilegung zugeführt werden. Wenn das auch scheitert, ist der Weg zu einem Schiedsgericht möglich.

Lean Construction Tools zum Herunterladen

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