Baumensch

IPA Integrierte Projektabwicklung für Bauprojekte

Wir erläutern in diesem Beitrag das Verfahren der Integrierten Projektabwicklung (IPA) und die Bestandteile eines Mehrparteienvertrags. Eine IPA ändert nicht nur die Methodik im Projekt, sondern ist ein grundlegender Kulturwandel. Der Unterschied ist kurz gesagt Folgender: Früher wurde erst geklärt, WAS zu planen ist. Danach legte man fest, WIE geplant wird. Erst dann wurde entschieden, WER das Bauwerk realisiert. Das Know-how ausführender Firmen kam spät ins Projekt. Empfehlungen von Praktikern wurden nur selten berücksichtigt. Anders ist es bei der IPA. Dort wählt der Bauherr das komplette Projektteam gleich zu Beginn aus. Somit werden die Schlüsselgewerke schon im Vorentwurf eingebunden. Viele Bausteine einer IPA (inlusive Mehrparteienvertrag) währen grundsätzlich für alle Bauprojekte hilfreich. Allerdings braucht eine IPA einen größeren zeitlichem Vorlauf. Daher eignet sie sich eher für große Bauaufgaben. Obwohl die Implementierung einer IPA Zeit braucht, reduzieren sich u.a. schon die Planungskosten unterm Strich (KG 700). Die Integrierte Projektabwicklung orientiert sich am amerikanische Modell der Integrated Project Delivery (IPD) und dem englischen Project Partnering (PP). 2024 werden in Deutschland zahlreiche öffentliche und private Großprojekte im IPA-Verfahren durchgeführt. Im IPA-Verfahren regelt ein Mehrparteienvertrag den Planungs- und Bauprozess unter Beteiligung der wesentlichen Planungs- und Ausführungsgewerke. Man bezeichnet die Parteien in einem IPA-Projekt als Partner. Mit Hilfe aller Partner fließt deren komplettes Know-How sehr früh in die Planung ein. Die unmittelbare Zusammenarbeit der Partner erhöht die Qualität und macht die Planung effektiver. Der holistishe Ansatz der IPA dient dazu, die Handlungsfelder Kultur, Organisation, Ökonomie und Methodik zu harmonisieren, um ganz und gar zielorientiert zu Arbeiten. Die Vertragspartner eines Mehrparteienvertrags synchronisieren laufend ihre Tätigkeiten, um so das Bauprojekt im Interesse des Bauherrn optimal umzusetzen.

Die Projektkultur bei IPA

Die IPA setzt voll auf Kollaboration der Schlüsselgewerke: Objektplanung, Rohbau, Fassade, TGA und TGA-Planung. Die Haltung und das Verhalten der Projektbeteiligten spielt eine große Rolle. Die Führungsaufgabe innerhalb der IPA ist daher die Entwicklung einer kollaborativen Teamkultur. Verantwortliche und Projektpartner müssen sensibel sein für die positive Wirkung von Teamkultur auf die gemeinsame Arbeit. Sie müssen kommunikativ kompetent sein und sollten gutes Führungsverhalten pflegen.

Auswahl der richtigen Projektpartner

Der Erfolg hängt also von der Wahl geeigneter Personen ab. Die Auswahl der Partner sollte darum sorgfältig und gewissenhaft erfolgen. Primär erfolgt diese anhand fachlicher Kriterien (Baukompetenz), um das bestmögliche Fachwissen für Planung und Durchführung zu generieren. Mindestens so wichtig ist die Bereitschaft und Fähigkeit, sich im IPA-Projektabwicklungsmodell konstruktiv und partnerschaftlich zu verhalten. Ganz wichtig: Die ausgewählten Beteiligten dürfen später nicht einfach durch andere Personen ersetzt werden. Dieser Beitrag zeigt, wie man ein Auswahlverfahren aufsetzt. Ein Lean Construction Assessment ist ein bewährter Weg, um geeignete Personen zu identifizieren. Das Expertenteam von Baumensch unterstützt Bauherren und Planer bei IPA-Projekten – Anfragen kannst Du hier.

Grafik IPA Phase 0 Team Auswahl

Lean-Management und BIM einsetzen

Um maximalen Nutzwert zu erreichen, sollten Lean Management, insbesondere das Target-Value-Design und das Last Planner System zur Anwendung kommen. Die Planungsmethode BIM unterstützt dabei das kollaborative Planen – vorausgesetzt, alle Partner einigen sich auf eine kompatible Plattform und verfügen über ausreichend Erfahrung mit der Planungsmethode BIM. Kollaborative Arbeitsmethoden sind das Herz eines IPA Modells. Bei der Projektabwicklung empfehlen wir das 3-Phasen-Modell.

 

IPA Phase 1 – Validierung

Nach der Vergabe der Schlüsselgewerke (s.o.) beginnt die erste Phase (Validierungsphase). Die IPA Phase 1 dient der Überprüfung aller Vorgaben des Bauherrn (Programm / Entwurf / Wettbewerb) und der Projektziele hinsichtlich Inhalt (i.d.R. funktionale Baubeschreibung). Es werden dabei auch die Termine und die finanziellen Vorgaben auf Machbarkeit unter die Lupe genommen. Dabei werden alle Partner eines Mehrparteienvertrags eingebunden.  Die sogenannten „Conditions of Satisfaction“ beschreiben die zu erfüllenden Bedingungen.

Grafik IPA Phase 1 Validierung

In der IPA-Phase 1 können durchaus Planungsleistungen erbracht werden – abhängig vom Detaillierungsgrad des Bauherrenprogrammes. Oft entstehen Fragen, die nur mittels eines planerischen Konzeptes gelöst werden können. Eine verlässliche Einschätzung von Bauzeit und Baukosten ist oftmals das Hauptziel. Sinnvoll sind u.a. Haustechnik-Konzepte oder Statikberechnungen. Die Validierungsphase wird auf Basis einer separaten Mehrparteienvertragsvereinbarung durchgeführt. Man koppelt diese mit einem Letter of Intent für den späteren Mehrparteienvertrag (Phasen 2 und 3) – der genaue Titel lautet meist “Vereinbarung zur Durchführung der Validierung/LOI”.

Parallel zur Validierungsphase finden Workshops zum Inhalt des eigentlichen Mehrparteienvertrages der Phasen 2 und 3 statt. Werden die Vorgaben des Bauherrn in der Phase 1 durch die Basiszielkosten und einem Basisprogramm als fortgeschriebenes Bauherrenprogramm bestätigt, geht es weiter. Vom Bauherrn wird dann die 2. Phase auf Basis des fertigen Mehrparteienvertrages IPA-MPV abgerufen.

IPA Phase 2 – Entwicklung der Bauaufgabe und der Zielkosten

In der zweiten Phase werden die wesentlichen Planungsleistungen durchgeführt. Dies geschieht ebenfalls unter Mitwirkung aller Partner. Ziel ist die Erlangung aller Genehmigungen zur Bauausführung und das teilweise Erstellen der Ausführungsplanung. Das Basisprogramm des Bauherrn bestimmt den Rahmen für die zu erbringenden Leistungen. Innerhalb dieses Rahmens legen alle gemeinsam den Leistungsumfang einzelner Partner und die Schnittstellen fest. Das Basisprogramm und der Basiszielpreis werden in dieser Phase gemeinsam weiterentwickelt, detailliert und optimiert. Wie Bau- und Planungsleistungen in IPA-Projekten vergütet werden, erfährst Du hier.
Berechnungs-Tool für IPA Vergütung
Die zweite Phase endet mit den finalen Zielkosten und einem fortgeschriebenen Bauherrenprogramm inklusive Terminplan. Wenn sich nach dieser Phase die Vorgaben der Validierungsphase bestätigen, wird vom Bauherrn die 3. Phase beauftragt. In der Phase 3 werden die restlichen Planungsleistungen erbracht und das Bauprojekt umgesetzt. Die Abbildung unten zeigt die Bausteine der Integrierten Projektabwicklung IPA im Vergleich zum traditionellen HOAI-Modell. Die einzelnen Phasen der IPA “beleuchten” einen deutlich größeren inhaltlichen Bereich als der HOAI-Verlauf. So gewinnen Projekte schon in frühen Phasen mehr Planungstiefe. Zur Erinnerung: Ein IPA-Modell benötigt wegen der Vorbereitung und Auswahl Projektpartner mehr Vorlaufzeit.

Diagramm Ablauf HOAI im Vergleich IPA

IPA Organisation für Entscheidungen im Bauprojekt

Im IPA-Team entscheidet ein Projekt Management-Team (PMT) grundsätzlich alle für die Projektausführung relevante Fragen. Jeder der IPA-Partner ist im PMT vertreten und jeder Partner hat eine Stimme. Die Entscheidungen werden immer einstimmig getroffen. Das PMT lässt zudem schon früh ein Risikoregister entwickeln. Daneben bietet sich in großen Organisationen das Einrichten eines Senior-Management-Teams (SMT) an, in dem ebenso alle Partner vertreten sind. Das SMT soll das PMT bei Bedarf unterstützen. Zudem entscheidet das SMT bei Unstimmigkeiten im PMT oder bei anderen, ihm zugewiesenen Fällen.

Das erweiterte Projektteam besteht darüber hinaus aus interdisziplinären Arbeitsteams, den sogenannten Project Implementation Teams (PIT). Diese dienen der Integration weiterer wichtiger Beteiligter – bei Bedarf auch Nutzervertreter. Alle Entscheidungen werden ausschliesslich im Sinne des Projektes getroffen und orientieren sich an den Projektzielen. Andere Interessen einzelner Partner bleiben unberücksichtigt. Folgende interessante Regel sollte unbedingt beachtet werden: Der Bauherr kann sich nur über Bauherrenanordnungen über Entscheidungen des SMT hinwegsetzen. Die daraus resultierende finanziellen oder terminlichen Folgen gehen dann zu seinen Lasten.

Hinweise zur Haftung und Haftungsbeschränkung

Die Haftung für Planungs- und Supportleistungen in der ersten Phase sollte auf eine Projektversicherung beschränkt werden, in der alle Partner mitversichert sind. Haftung kann nur bei Vorsatz und grober Fahrlässigkeit entstehen. Alle Beteiligten sollen angstfrei an der Verbesserung von Prozessen, dem Umgang mit Fehlern und der Problemlösung mitarbeiten können. Neue Ideen sollen gefördert, unproduktiver Aufwand vermieden und Schuldzuweisungen und Absicherungen vermieden werden. Die Haftung für Bauleistungen richtet sich grundsätzlich nach den gesetzlichen Bestimmungen. Nachunternehmer eines Partners werden von allen anderen Partnern gemeinsam ausgewählt. Das geschieht im PMT Project Management Team. Alle Partner tragen das Ausfall- oder Schlechtleistungsrisiko des jeweiligen Nachunternehmers gemeinsam. Partner haften nur für beauftragte Nachunternehmer, wenn Ansprüche realistisch durchsetzbar sind.

Kosten, die durch Verzug von Partnern verursacht sind, gelten als abrechenbare Kosten, erhöhen jedoch die Basiszielkosten nicht. Überschreiten die abrechenbaren Kosten die Basiszielkosten, mithin auch die Anteile der Partner am Chancen-Risiken-Pool, setzt für darüberhinausgehende Kosten die Haftung des die Verzögerung zu vertretenden Partners ein. Vertragsstrafen sollten normalerweise nicht vorgesehen werden, da sie dem Kollaborationsgedanken widersprächen.

Haftung tritt nur bei grober Fahrlässigkeit und Vorsatz bei Pflichtverletzungen außerhalb der Hauptleistungspflichten, also bei Verletzung der im Mehrparteienvertrag geregelten Kooperationspflichten ein. Meinungsverschiedenheiten, die nicht im SMT aufzulösen sind, sollten Instrumenten der außergerichtlichen Streitbeilegung zugeführt werden. Wenn das auch scheitert, ist der Weg zu einem Schiedsgericht möglich.

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Berechnungs-Tool für IPA Vergütung
Excel Risiko-Register für Bauprojekte
Excel-Tabelle DIN 276 2018
Berechnungstool fürBaukosten
Tool für CBA Entscheidungen
Protokoll-Vorlage für Lean Projekte