Die Bauwirtschaft ist der größte Klimakiller. Um den CO2 Fußabdruck zu reduzieren, müssen wir alle umdenken. Diese Vorschläge sind sofort umsetzbar, wenn sie politisch gewollt werden:
- Neubaumaßnahmen erlauben und Baugenehmigungen erteilen, wenn die Klimaneutralität nachgewiesen werden kann
- Abbruch von Gebäuden aus massiven Bauteilen (Beton, Kalksandstein) nur in Ausnahmefällen erlauben. Neue Gebäude dürfen frühestens nach 80 Jahren zurückgebaut werden. Das führt schon bei der Planung zu langfristigem Denken
- Einpreisung der sogenannten grauen Energie in alle Bauprodukte und Bauprozesse
- Schwerpunkt und Förderung von Revitalisierung und Umnutzung. Traditionelles Handwerk stärken, weniger Massenproduktion
- Bei der Projektierung sollte die CO2 Einsparung über dem Zeitgewinn durch energieintensive Bauweise stehen
- Neubau von Tiefgaragen untersagen, denn sie sind baukonstruktiv aufwendig und verursachen entsprechend viel CO2 (Aushub, Transport, Verbau, Tiefbau, Konstruktion usw.).
Auch wenn die oben genannten Vorschläge auf den ersten Blick radikal klingen, lassen sie sich problemlos umsetzen. Die Herausforderungen sind groß- Daher braucht es konsquente und innovative Denkansätze. Lies mal nach, wie man Innovation definieren kann – lass Dich von zu neuen Ideen inspirieren. Warum werden innovativ konsequente Ideen nicht umgesetzt? Wann haben wir damit begonnen, verschwenderisch zu bauen und was hindert uns, das zu ändern?
Keine sinnlosen Produkte – Verschwendung sanktionieren, Luxus hinterfragen
Wir brauchen einen Bewusstseinswandel und müssen hierfür die erforderlichen gesetzlichen Rahmenbedingungen schaffen. Der Markt allein wird es nicht richten, weil er sich nicht am kollektiven Ziel orientiert und weder Moral noch Gewissen hat.
Industrielle Massenproduktion sollte sich auf Dinge beschränken, die im weitesten Sinn dem Wohl der Menschheit dienen, wie z.B. Medizinische Produkte, Fahrzeuge für den ÖPNV, nachhaltige Bauelemente. Betroffen von Produktionsverboten wären Überraschungseier und Wasserspray aus dem Drogeriemarkt.
Für den privaten Konsum erhält jeder ein CO2-Kontingent, über das sie/er verfügen kann. Wer mehr CO2 erzeugen möchte, muss dies kompensieren.
Innovation ist immer schöpferische Zerstörung
Inkrementelle Innovation ist die Veränderung bestehender Systeme, Produkte oder Dienstleistungen. Ein Beispiel hierfür ist die Erweiterung von Speicherkapazitäten für das Produkt „Smartphone“.
Radikale Innovation bedeutet die Entwicklung komplett neuer Systeme, Produkte oder Dienstleistungen, die es so vorher noch nicht gegeben hat. Hier kann man als Beispiel die Erfindung des iPhones und die damit einhergehende Revolution am Handymarkt nennen.
Innovationsarten: ggg
Sind die deutschen Baugesetze daran schuld, dass wir technologisch hinterherhinken?
Es gibt sicher viele unterschiedliche Faktoren, die hier eine Rolle spielen. Die Kleinteiligkeit der Branche, die langen Lebenszyklen, die strikte Trennung von Planung und Ausführung etc.
Letztlich liegt es aber vermutlich auch an den Beharrungskräften von seit langem eingespielten Prozessen.
Unsere Gesellschaft selbst muss sich überlegen, was sie will. Dann kann der Gesetzgeber diesen Willen in Zielvorgaben umsetzen. Gleichzeitig sollte er aufhören die Methoden vorzuschreiben. Stattdessen sollte er besser die zu erreichenden Ziele definieren. Wie Bauplaner die gesamtgesellschaftlichen Ziele erreichen, muss deren Innovationskraft überlassen bleiben. Man muss den Baumenschen die Freiheit lassen, die für ihren Verantwortungsbereich besten Werkzeuge und Methoden zu entwickeln.
Um die Herausforderungen des nachhaltigen Bauens zu meistern, müssen Architekten und Ingenieure exzellent ausgebildet sein. Eine Trennung der Bau- und Planungsdisziplinen ist nicht mehr zeitgemäß. Wir brauchen ein neues Selbstverständnis aller in der Verantwortung für das Gebaute stehenden Planer.
Und wir müssen uns gemeinsam die Frage stellen, wohin sich das Bauen in der Zukunft eigentlich entwickeln soll. Diese Frage ist die Frage nach der Zukunft selbst. Natürlich ist ein Nach-Vorne-Denken immer mit dem Risiko des Irrens, des Scheiterns verbunden – aber ohne diese Möglichkeit des Irrtums kann es auch keine Bewegung nach vorne geben, verharrt man immer auf gleichem Terrain. Der Philosoph Hegel fasste dies sehr gut mit seiner Aussage zusammen, dass die Angst vor dem Irrtum bereits der Irrtum selbst sei. Essenziell für das Skizzieren der gebauten Welt von morgen ist eine nüchterne Bestandsaufnahme globaler Trends von heute. Es geht zum einen darum, herauszufinden, welche die technischen Konstituenten und welche die gesellschaftlichen Konstituenten der Zukunft sind, die sich heute bereits abzeichnen. Will man daraus Rückschlüsse auf die Aufgaben von Bauingenieuren und Architekten ziehen, muss man zum anderen herausfinden, wer diese Zukunft konzipiert. Ob sie überhaupt jemand konzipiert – oder ob wir sie einfach so entstehen lassen als Abfolge einzelner, in sich vielleicht noch überlegter Schritte, nicht jedoch als überlegten Weg, der durch die Summe von Schritten entsteht. Denn, nur wenn diese Zukunft bewusst gestalten wir nach unserer eigenen Rolle darin Ausschau halten.
Energieeinsparung und Energieeffizienz ist seit Jahren das Mantra beim Bauen. Sie haben einmal gesagt, wir hätten kein Energieproblem, sondern ein Baustoff Problem. Wie meinen Sie das?
Wir haben in der Tat kein Energieproblem. Die Sonne strahlt ungefähr 10.000-mal so viel Energie auf die Erde ein, wie die Menschheit für alle thre Funktionen benötigt. Das sogenannte Energieproblem besteht darin, das politische wie gesellschaftliche Entscheidungsträger einschließlich der Wissenschaftler es über Jahrzehnte hin versäumt haben, unsere Energieversorgung von einer fossilen auf eine solare Basis umzustellen. Und nun stellen wir fest, dass wir für einen zügigen Umstieg von einer fossilen auf eine solar basierte Energieversorgung weder die Werkzeuge noch die um Methoden noch die Zeit haben.
Unser eigentliches Problem liegt aber bei den Baustoffen. Jede Sekunde in nimmt die Erdbevölkerung um 2,6 Menschen zu. Um diesen zusätzlichen Menschen Stadt- und Lebensraum zu bieten, müssen wir massive Bau Anstrengungen unternehmen. Diese wiederum verlangen nach enormen materiellen Ressourcen. Langfristig betrachtet sind diese materiellen Ressourcen auf der Erde jedoch nicht vernünftig beschaffbar bzw. nicht verfügbar. Wenn wir auf einem bautechnisch einfachen Niveau bauen, dann liegt der weltweite Materialbedarf bei rund 800 Tonnen pro Sekunde.
Wenn wir von einem hochwertigen, umfassenden Niveau wie in Deutschland sprechen, dann liegt der Ressourcenbedarf sogar bei 1.300 Tonnen. Und das ist ein Problem, denn schon heute gibt es dramatische Engpässe bei der Beschaffung von Baustoffen. Ich habe meine Idee des Bauens in der Zukunft deshalb in zwei Forderungen zusammengefasst. Erstens: Für mehr Menschen mit weniger Material bauen Notwendig ist eine dramatische Reduktion des Materialverbrauchs bei einem gleichzeitigen Wechsel der zumeist verwendeten Baustoffe. Diese Hinwendung zum Leichtbau muss mit der Einführung des Recycling Prinzips in das Bauschaffen einhergehen. Zweitens: Notwendig ist der schnellstmögliche Ausstieg aus der Nutzung fossil basierter Energie. also der schnellstmögliche Ausstieg aus der Produktion gasförmigen Abfalls mit der viel zu nobel klingenden Bezeichnung Emissionen
Wäre ein solches ganzheitliches Bauen teurer und was braucht es, damit es zum selbstverständlichen Standard wird? Nachhaltiges Bauen muss nicht teurer sein. Vor allem: Wie errechnet sich der Preis? Wenn wir die beim heutigen Bauen entstehenden Umweltschädigungen mit einpreisen würden, dann würde sich jedwedes nachhaltiges Bauen als preiswert darstellen, was also ist rentabel?
Etwas, was sich für den Einzelnen rentiert, der wahre Preis aber von der Gesamtgesellschaft einschließlich der kommenden Generationen bezahlt wird?
Wir müssen uns darüber im Klaren sein, dass wir uns vom klassischen Rentabilitäts Denken zu verabschieden haben. Viele der vor uns liegenden Investitionen werden sich im klassischen Sinn nicht rentieren. Aber: Sie sind eine Investition in die Zukunft der nach uns kommenden Generationen.
Die griechischen Bauern sagen: Einen Olivenbaum pflanzt man für die Enkel. Dieses Prinzip der Gemeinschaft und der Nachhaltigkeit müssen wir, so meine ich als Gesellschaft wieder neu lernen und zum Ziel unseres gesellschaftlichen Handelns machen. Die Energiewende als eine der großen Aufgaben, die vor uns stehen. ist eine Investition in die Zukunft die sich für die heutige. altere und wohlhabende Generation in deren Lebenszeit nicht mehr rechnen” wird. Als Mitverursacher der heutigen und der zukünftigen Probleme sollte sich aber gerade diese Generation der heute 60 bis 90-Jährigen ihrer Verantwortung bewusst werden und sie annehmen. Davon abgesehen muss nachhaltiges Bauen aber nicht zwangsläufig teurer als das bisher Praktizierte sein. durch Vorfertigung und Modularität lassen sich im Vergleich zu herkömmlichen Lösungen erhebliche Kostenvorteile realisieren.
Würden Ihre Gebäude anders aussehen und funktionieren, wenn Sie nur” Architekt oder nur” Ingenieur waren? Ja. das wäre sicher so. Ich habe sowohl Architektur als auch Bauingenieurwesen studiert und fühle mich in beiden Disziplinen verankert. Aber unabhängig davon gelingen unsere Gebäude immer nur in Teamarbeit.
Ein einzelner kann heute die komplexen, multidisziplinären Probleme und Zusammenhänge bei einem Gebäude nicht mehr in dem Grad beherrschen, der notwendig ist, um Spitzenleistungen zu schaffen oder um in gekonnter Weise Neuland, den Avantgarde-Bereich, zu betreten. Enges interdisziplinäres Zusammenarbeiten, häufig auch das Aufbrechen tradierter Kompetenzverteilungen, wird somit zwingend. Notwendig ist ein Zusammenarbeiten, bei dem jeder die Sprache des anderen, dessen Denkwelten, dessen Wertesysteme und Zielvorstellungen versteht. Wenn man in den Prozess der Kreation, der Schaffung der gebauten Umwelt eingebunden ist, ist es zwingend, über die Inhalte der
Nachbardisziplinen und die Denkweise der anderen Planungspartner Bescheid zu wissen.
Wenn man dies nicht schon während des Studiums gelernt hat, tut man sich im Berufsleben sehr schwer.
Herr Prof. Dr. Sobek, wir danken Ihnen für das Gespräch.