Hausbau Planung Phase#1

Der eigene Hausbau ist DER Lebenstraum für viele Menschen. Der Wunsch nach den eigenen vier Wänden ist groß, auch wenn anfangs die Angst vor Problemen, die ein Hausbau immer mit sich bringt, mit von der Partie ist. Einige Zeit, nachdem das Bauprojekt gestartet wurde, stellt man fest, dass alles nur halb so schlimm und kompliziert ist, wie zunächst angenommen. Mithilfe eines erfahrenen Architekten macht planen und bauen sogar Spaß! Mit guter Strukturierung und einem ehrlichen Dialog zwischen Bauherr und Planer findet man zueinander. Die Findungsphase dient dazu, Vertrauen aufzubauen. Vertrauen ist wichtig, denn Planer und Bauherr werden für eine Zeit zu Partnern am Bau.

Hausbau Grundlagenermittlung in der Leistungsphase 1

Gestartet wird der Hausbau immer mit einer soliden Grundlagenermittlung. Diese Phase ist der eigentlichen Gebäudeplanung immer vorgeschaltet. In dieser Phase ist Zuhören besonders wichtig! Bauherr und Architekt setzen sich zusammen und sprechen über die Vorstellungen, Wünsche und finanziellen Möglichkeiten. Der Architekt sollte die Motivationen seiner Bauherren kennenlernen. Er muss verstehen, welche Bedürfnisse die Bauherren wirklich haben, wenn sie z.B. zwei Waschtische fordern.

Die Zielkosten-Methode bringt Kostensicherheit beim Bauen.
Lesetipp

Zwei Waschtische im Badezimmer – sinnvoll oder überflüssig?

Die meisten privaten Bauherren haben klare Vorstellung über ihr neues Zuhause. Die klaren Vorstellungen führen in der Zusammenarbeit mit Architekten häufig zu Problemen. Das klingt zwar merkwürdig, hat aber seine Gründe, denn Architekten sehen sich oft mehr in der Rolle des Erfinders, als in der eines Beraters. Wenn der Planer zu den Bauherrenwünschen eine andere Meinung hat, kann das schon früh zu Missverständnissen führen. Beispiel: Der Bauherr äußert den Wunsch nach zwei Waschtischen im Bad. Wie könnte ein Architekt reagieren:

  1. Der Architekt plant fortan das Badezimmer mit zwei Waschtischen. Er sieht sich als Dienstleister und hinterfragt daher diesen expliziten Wunsch nicht. Der Kunde ist König!
  2. Der Architekt nimmt den Wunsch ernst und geht der Sache auf den Grund. Er fragt nach der Motivation für diese Anforderung, denn er weiß, dass ein zweiter Waschtisch im Bad zu Mehrkosten führt – das Badezimmer wird größer und die Installation aufwendiger. Außerdem denkt er auch an die Wartung und Pflege eines zusätzlichen Bad-Objektes. Der Planer sieht es als seine Aufgabe an, den Bauherrn aufzuklären.

Im Dialog mit dem Bauherrn kann ein Architekt einiges herausfinden. Vorausgesetzt, der Architekt hört aufmerksam zu und der Bauherr spricht offen. Nachdem sich der Planer (richtigerweise) entschieden hat, die Bauherrenwünsche zu hinterfragen, werden folgende Szenarien möglich:

  1. Der Bauherr erläutert den Grund für die Bestellung: Beispielsweise haben zwei Personen im Haushalt einen Tagesablauf, der die gleichzeitige Nutzung erforderlich macht. Ebenso wäre es möglich, dass zwei Familienmitglieder am Morgen das Gespräch am Waschtisch für die soziale Hygiene brauchen. Beide Erklärungen wären nachvollziehbar und würden eine entsprechende Umsetzung sinnvoll machen.
  2. Der Bauherr kann seine Anforderung nicht genau erklären. Vielleicht erfüllt der zweite Waschtisch seine Sehnsucht nach etwas Luxus und Großzügigkeit in diesem privaten Raum. Wenn das so ist, sollte der Planer gemeinsam mit dem Bauherrn herausarbeiten, ob ein zweiter Waschtisch wirklich in der Lage ist, diese Sehnsucht nachhaltig zu bedienen. Möglicherweise entwickeln die Partner (Architekt und Bauherr) im Dialog eine viel bessere Alternative, indem sie eine andere Definition von Luxus finden. Zum Beispiel ist Zeit zu haben auch Luxus und ein kostbares Gut. Die Pflege eines kleineren Badezimmers spart Zeit! Gleichzeitig spart man Baukosten bei einem kleineren Badezimmer.

Intensive Gespräche und Nachfragen können zu zwei sehr positiven Ergebnissen führen: durch Weglassen wird der Geldbeutel geschont und das eigentliche Bedürfnis (Luxus) wird befriedigt. Auf den ersten Blick scheint die Diskussion um einen zweiten Waschtisch unwichtig – im Ergebnis entsteht aber doppelter Mehrwert.

Unter Bedürfnis versteht man in der Alltagssprache Verlangen, Wunsch, Ansprüche („wachsende Bedürfnisse“) oder etwas meist materielles zum Leben Notwendiges. In der Psychologie wird Bedürfnis oft definiert als „Zustand oder Erleben eines Mangels, verbunden mit dem Wunsch ihn zu beheben“ oder als das Verlangen oder der Wunsch, einem empfundenen oder tatsächlichen Mangel Abhilfe zu schaffen. Dieser allgemeine psychologische Begriff, dem die Termini Motiv und Motivation sinnverwandt sind, ist Bezugspunkt der Darstellung und ist den wirtschaftswissenschaftlichen, philosophischen oder anderen Verwendungen des Begriffs verwandt. (Quelle: Wikipedia)

Hausbau Waschtisch

Die Wunschliste – Tipps für das erste Beratungsgespräch mit dem Bauherren

Ein guter Einstieg ist eine Wunschliste des Bauherren. Diese kann vollkommen unstrukturiert sein, sollte aber wirklich das gesamte Themenspektrum abdecken. Die Wunschliste sollte alle individuellen Anforderungen enthalten. Du diesen Anforderungen gehört besonders auch eine Aussage zum Budget. Eine Aussage könnte beispielsweise sein: “Wir wollen nicht mehr als 200.000 € für den Neubau ausgeben.” Folgende Schritte sind ein guter Weg:

  • Bauherr erstellt Wunschliste
  • Im Dialog mit dem Architekten alle Positionen ausführlich besprechen
  • Motivatoren hinterfragen / herausarbeiten
  • Motivatoren als eigentliche Wünsche fixieren und in die Liste aufnehmen
  • überflüssige Wünsche (“… stimmt, das ist wirklich nicht wichtig …”) aus der Liste entfernen
  • Wünsche priorisieren und in eine Reihenfolge der Wichtigkeit bringen
  • Fertige Wunschliste einige Tage zur Seite legen und dann erneut prüfen
  • Wunschliste gemeinsam mit dem Architekten “verabschieden.”

Haben die Bauherren bereits ein Grundstück, ist eine Ortsbegehung des Grundstücks eine der ersten Aufgaben des Architekten. Die sogenannte Lage hat Einfluss auf die richtige bauliche Lösung: Tageslicht, Außenlärm oder die Entfernung bis zum Nachbarn sind in der Planung zu berücksichtigen. Der Planer macht erste Vorschläge, wo die Räume idealerweise liegen sollten. Die Himmelsrichtungen sind dabei zu beachten. Ein Wohnzimmer in Richtung Osten mögen die wenigsten, denn durch die Fenster kommt eventuell nur morgens Sonne ins Haus. Bei Grundstücken mit besonderer Geologie oder Topografie (Hang, Fels, hoher Grundwasserspiegel usw.) helfen Fachplaner / Spezialisten dem Architekten dabei, die richtige Lösung zu finden.

Vor dem Hausbau sind alle Grundlagen genau zu ermitteln

In dieser Phase gehört es zur Pflicht von Architekten, Erkundigungen über das Grundstück in jeglicher Hinsicht einzuholen. Erkenntnisse über Altlasten, wie eventuelle alte, unterirdische Mülldeponien, müssen unbedingt eingeholt werden. Höchste Priorität hat jedoch die Frage nach den persönlichen Vorstellungen und Wünschen der Bauherren. Auch die Vorstellungen ur Gestaltung des Hauses spielen eine Rolle. Architekten sollten auf die Wünsche eingehen und mit dem Bauherren in einen intensiven Dialog über jegliche Aspekte eintreten. Wollen die Bauherren den Ausbau selbst machen, dann sollte der Architekt den Bauherren über die realistischen Möglichkeiten aufklären. Viele Bauherren unterschätzen die Zeit, die für handwerkliche Leistungen einzuplanen sind und welche Leistungen er besser einem Fachmann überlassen sollte. Auch die Frage nach einem umweltgerechtem Haus wird erörtert. Selbst bei der Erstellung eines konkreten Finanzierungsplans steht der Architekt den Bauherren zu Seite, den er kann z.B. den finanziellen Mittelbedarf während der Bauphase einschätzen. Am Ende der Grundlagenermittlung entsteht schließlich der erste einfache Grundriss.

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