Änderungswunsch Schrift Dienstleister Bau Service

Ständig Änderungen der Planung oder beim Bauen – der Bauherr weiss nicht was er will

Vor einigen Wochen hatte ich eine Planungsbesprechung mit einem von uns beauftragten Architekten. Es ging um die Vorplanung Leistungsphase 2 zu einem Neubau. Im Gespräch entstand eine kontroverse Diskussionen über planerische Sachverhalte. Der Bauherr hatte einen Änderungswunsch und wir diskutierten mit dem Architekten im Kreis. Ich ärgerte mich ein wenig darüber, dass der Planungspartner nicht auf die Bauherrenbelange einging. Es schien so, als wollte der Architekt sein Konzept unverändert “durchsetzen”. Daher warf ich schließlich ein, dass ich den Dienstleistungsgedanken vermisse und dass sich das Konzept nach den Anforderungen der Bauherren richten müsse.

Mein Einwand löste große Empörung aus. Der Architeken-Kollege ging richtig steil! Er erklärte mir, dass er selbstverständlich kein Dienstleister sei – sein Dienstleistungsverständnis deckte sich offenbar nicht mit dem meinem. Der Begriff Dienstleister war offenbar negativ besetzt. “Ein Architekt sei kein Dienstleister, sondern ein Bauschaffender” erwiederte er.

Das Gespräch bestätigt meine Vorbehalte gegenüber meinen Berufskollegen. Möglicherweise habe ich aber einfach nur Pech bei beruflichen Begegnungen…

Das wollte ich genau wissen und habe für diesen Beitrag etwas recherchiert. Hier das Ergebnis:

Interview mit Fritz und Moritz Auer 2014

Die Stuttgarter Zeitung fragt 2014 in einem Interview die prominenten Architekten Moritz und Fritz Auer: “Ist der Architekt eher Dienstleister oder Künstler?”

Antwort Fritz Auer: “Ich habe mich schon immer als Dienstleister verstanden. Aber nicht in dem Sinne, dass der Auftraggeber mir vorschreiben darf, was und wie ich entwerfen soll. Der Bauherr hat seine Vorstellungen, der Architekt die seinigen – und im Dialog darüber sollte ein Gebäude entstehen, mit dem beide Seiten leben können. Das klappt meistens auch.”

Diese Worte spreche Bände und so interpretiere ich das Gesagte: Natürlich ist Fritz Auer ein Dienstleister (etwas anderes lässt sich heute wohl kaum vertreten). Seine “Bedingungen” allerdings haben es in sich: Herr Auer möchte sich beim Enwerfen “nichts vorschreiben lassen”. Er hat regelmäßig andere “Vorstellungen” als seine Bauherren und nach mühsamen und zähen Auseinandersetzungen entstehen meistens Gebäude mit denen “beide Seiten leben können”. Übertreibe ich etwa? Lies dir bitte seine Aussage genau durch. Wenn du meiner Interpretation folgen kannst, dann bist du bei Baumensch genau richtig. Wir möchten anders arbeiten!

Das fordern Architekten 2018

Nächste Beispiel aus 2018: Politische Grundpositionen zu Stadt, Land und Architektur, ein Diskussionspapier zum 14. BDA Tag (Bund deutscher Architekten). Prolog BDA: Die Welt ist kein Markt – Der Mensch ist kein Konsument – Der Architekt ist kein Dienstleister. Baumensch meint: Warum nicht?

BDA: Architekten und Stadtplaner denken ganzheitlich. Sie arbeiten an den Zukunftsaufgaben unserer Gesellschaft … dabei übernehmen sie für das Gesamte Verantwortung und entwerfen in qualifizierten Prozessen gute Architektur in Respekt gegenüber Gesellschaft und Umwelt. Baumensch meint: Wer definiert denn was “gut” ist für die Gesellschaft?

BDA: Gute Gestaltung ist dabei ein wesentlicher Bestandteil einer sinnlich vermittelten Wertorientierung. Baumensch meint: Was ist genau gute Gestaltung? Wer definiert das?

BDA: Wir fordern eine klare Ausrichtung aller politischen Entscheidungen auf die Qualität unserer Lebenswelt, zu der gute Städte, gute Quartiere und gute Häuser gehören. Wir (BDA) fordern eine eindeutige Ausrichtung aller öffentlichen Bauaufgaben an den Anforderungen des gesellschaftlichen Wandels und des Klimawandels unter der Prämisse des Zusammenhalts in der Gesellschaft. Wir fordern die Anpassung der gesetzgeberischen Rahmenbedingungen an die städtebaulichen und architektonischen Notwendigkeiten, die zu einem sozialen und ökologischen Leben notwendig sind. Ende Prolog. Baumensch meint: Welche Aussage macht der BDA? Wie sollen “gesetzgeberisch architektonische Notwendigkeiten geregelt werden”? Sollen Architekten den “gesellschaftlichen Wandel” steuern? Wie soll das bitte gehen? Architekten sind dazu gar nicht ausgebildet. Oder glaubt der BDA, dass Architekten die soziologischen Zusammenhänge und Wirkungsweisen kennen? Dieser “Prolog” offenbart sehr deutlich die realitätsfremde Überheblichkeit meiner Berufskollegen. Wie das Beispiel BDA zeigt, werden bei Verbandstreffen immer noch völlig verquere Haltungen propagiert – eine analoge Filterblase. So verschläft man die Zukunft. In Wirklichkeit verändert sich die Baubranche derzeit radikal (Beispiel: Lean Design / Lean Construction). Doch anstatt sich damit auseinanderzusetzen, wird zur Rechtfertigung des eigenen Tunnelblicks der Klimawandel und die “gesellschaftliche Veränderung” vor den eigenen antiquierten Karren gespannt. Soweit zum BDA 2018.

Mich wundert es schon lange nicht mehr, dass es zwischen Bauherren und Architekten immer wieder zu Missverständnissen kommt, denn die einstudierten Haltungen vieler Architekten korrespondieren nicht mit der Lebenswirklichkeit der meisten professionellen und privaten Bauherren.

Architekt skizziert mit Stift

Ein Bild sagt mehr als tausend Worte. z.B. das in diesem SZ-Artikel. Das Gruppenfoto der Studenten des Masterstudiengangs Architektur Media Management in Bochum. Bei ihnen geht es um Kommunikation von Baukultur. Die Szene auf dem Bild wirkt inszeniert und wenig unzeitgemäß, fast etwas komisch. Das Foto bestätigt das Bild vom Elfenbeinturm der Architekten. Unter den Profis in der Immobilienbranche ist man sich schon lange darin einig: Architekten braucht man nur noch für wenige Dinge, z.B. für den Bauantrag und das Design. Architekten sind meistens unkooperativ und sie nerven – Begründung siehe unten – Architekten stören den Flow.

Bei Baumensch möchten wir anders planen und bauen. Du auch? Dann mach’ doch einfach mit.

Der Bauherr hat einen Änderungswunsch

Architekten sind genervt, wenn die Baufrau/ der Bauherr wieder mal mit Änderungen um die Ecke kommt. “Warum können die sich nicht endlich mal festlegen? Das haben wir doch schon so oft besprochen und immer noch sind viele Dinge nicht entschieden!” Viele kennen das. Warum ist das so? Warum wiederholen sich die Probleme im Planungs- und Bauprozess wieder und wieder? Entscheidungsprobleme und Wankelmütigkeit bei Bauherren ist ein Ausdruck von Unsicherheit.

Bauherren sind unsicher, ob ihre Entscheidung für dies und das die richtige ist. Wer unsicher ist, lässt sich leicht beeinflussen. Er guckt hier und da und spricht mit anderen, um den Informationsbedarf zu befriedigen. Bis sie/er dann eine andere Lösung findet, die für sie/ihn besser scheint. Planer sind selbst für die Unsicherheit der Bauherren verantwortlich! Aber wie entsteht diese Unsicherheit?

Was ich die richtige Entscheidung beim Bauen?

Es gibt mehrere Gründe: a) Die Planer nehmen sich am Anfang zu wenig Zeit (Grundlagenermittlung). Sie beschäftigen sich nicht intensiv genug mit den Anforderungen ihrer Kunden bzw. der Bauherrschaft. Sie gehen den Motivatoren nicht auf den Grund. Das liegt an… b) fehlender Empathie. c) Architekten haben ein einstudiertes Sendungsbewusstsein. Sie möchten ja gesellschaftliche Veränderungen prägen (s.o. BDA) und die Welt zu einem schöneren und besseren Ort machen. Daher müssen Architekten sich artikulieren. Die Folge: Das Zuhören kommt zu kurz. d) Architekten sind Kreative. Chaos ertragen zu können ist eine Grundvoraussetzung für Kreativität. Chaos führt aber auch dazu, dass Sachverhalte vergessen werden. e) Kreative sind naturgemäß ein wenig wie Kinder. Sie beschäftigen sich vorwiegend mit Dingen, die ihnen Spaß machen – dadurch priorisieren sie Aufgaben oft falsch.

Woran erkenne ich einen guten Architekten

Woran erkennt man als Bauherr einen guten Architekten? Was sind die Kriterien und was können Betroffene selbst tun, um dieser Falle zu entkommen?
Dieser Artikel ist noch in Bearbeitung.