Dämmen von Aussenwänden

Dämmung von Außenwänden

In diesem ersten Beitrag wage ich einen Rundumschlag zum Thema Dämmung. Ich möchte einige Zusammenhänge auf einfache Weise beschreiben, Sachverhalte abstrahieren und danach in die Details gehen. Alle reden vom nachhaltigem Bauen und vom Klimawandel und dass „man doch was“ gegen CO2-Emmissionen tuen muss. Gerne werden dann noch die eigenen Beiträge herausgestellt, damit das eigene Gewissen beruhigt ist: „Also wir nehmen jetzt nur noch Stoffbeutel“ – immerhin ein guter Anfang. Leider verpufft der Effekt, wenn es im Sommer mit den Kindern nach Mallorca geht. Ich glaube, wir machen uns alle systematisch etwas vor und wir haben Angst davor „Komfort“ zu verlieren. Letztlich sind wir nicht ehrlich mit uns und mit anderen – auch mir gehts so.

Wenn man CO2 doch sehen könnte, hätten wir einen unmittelbaren Bezug. Meine „Baum-Rechnung“ kann helfen, ein besseres Gespür zu bekommen. Beim Zusammenstellen der Zahlen, ist mir selbst erst die Dramatik und Dringlichkeit klar geworden.

Der Baum ist ein Wunderwerk

Gehst du auch gerne durch den Wald? Im Sommer, wenn die großen Bäume in vollem grün stehen, spürt man fast die Sauerstoffproduktion auf hochtouren. Bäume sind technische Wunderwerke. Sie transportieren Wasser aus dem Boden in große Höhen und lassen den größten Teil davon über die Blätter wieder verdunsten. So werden Sie zur natürlichen Klimaanlage der Stadt. Die heiße, staubige Luft wird im Wald gekühlt, gefiltert und befeuchtet. Bei uns stammen 70% des verdunsteten Wassers aus Blättern. Eine 80 Jahre alte Buche hat etwa 300.000 Blätter, mit denen sie bis zu 20 kg CO2 am Tag aufnimmt. Der Baum filtert Schadstoffe, Bakterien, Sporen und Staub aus der Luft und produziert pro Tag ca. 8.000 Liter Sauerstoff – das entspricht dem Tagesbedarf von 20 Menschen. Über ihre Blätter verdunstet sie täglich bis zu 400 Liter Wasser. Neben der Sauerstoff Produktion ist die Speicherung von CO2 wohl derzeit das populärste Feature.

Ein Steckbrief: Höhe: 23 m | Durchmesser Stamm: 30 cm | CO2 Einlagerung in 80 Jahren: 1.000 kg

Ein Baum wächst 80 Jahre, um eine Tonne CO2 aufzunehmen. Wenn du dreimal Düsseldorf – Berlin – Düsseldorf fliegst, entsteht die gleiche Menge CO2 für jeden einzelnen Passagier. Tausend Kilometer mit dem Auto erzeugen ebenfalls eine Tonne CO2. Da kommt ganz schön was zusammen. Jeder EU Bürger verursacht pro Jahr 9.100 kg CO2. Um den Klimawandel aufzuhalten darf jeder Mensch pro Jahr maximal 2.000 kg CO2 verursachen (Quelle: Myclimate).

Dämmung CO2 ein Baum speicher 1000kg

Wenn alle Menschen so verschwenderisch wären wie wir in Deutschland, benötigten wir 2,6 Erden. Um das ausgestoßene CO2 zu binden, müssten 55% der Erden aus Wald bestehen (Quelle: WWF Living Planet Report 2014). Der deutsche Wald reicht nicht aus, um das bei uns angefallene CO2 zu binden! Um unser eigenes CO2 aufzunehmen, bräuchten wir eine Waldfläche anderthalb Mal so groß wie Deutschland. Dereit sind nur 30% der Fläche Deutschlands bewaldet…

Fakten zur Fassadendämmung

In Europa werden 40% der Energie für das Heizen von Gebäuden benötigt. Das Energiesparpotential ist also hoch. Neben der Erneuerung von Heizungstechnik, ist das Dämmen daher der andere wesentlicher Faktor. In diesem Beitrag beleuchten wir das beliebte „Dämmmateial“ Polystyrol und bilanzieren wie folgt: Dämmung erzeugt CO2 50 Bäume für ein gedämmtes HausZur Dämmung eines zweigeschossigen Einfamilienhauses mit 120 m² Grundfläche braucht man ca. 450 m² Polystyrol-Dämmung (10 x 12 x 6m hohe Aussenwand). Die Herstellung von 1m² Dämmung verbraucht 140 kWh. Für das ganze Haus sind es 63.000 kWh Primärenergie (140kWh*450m²). Darin nicht enthalten ist der energetische Aufwand für Transport, Gerüstbau, Verdübeln, Putz und Anstrich der Fassade. Dann fehlen noch Fenster und Türen. Insgesamt gehen wir daher von 100.000 kWh aus. Laut Umweltbundesamt entsteht für jede Kilowattstunde rund fünfhundert Gramm CO2 ( Strommix in D 2015), weshalb die Dämmung eines Einfamilienhauses 50.000 kg CO2 erzeugtMan müsste 50 Buchen pflanzen, die 80 Jahre wachsen, um die entstandene CO2 Emission wieder zu binden.

Aus Dämmung wird Müll

Als wäre die CO2 Problematik noch nicht genug, kommt in Zukunft noch ein anderes – im wahrsten Sinne – brennendes Problem auf uns zu, denn Materialexperten sind sich einig, dass Polystyroldämmung nach 30-50 Jahren abgängig ist! Zumindest gilt das für Teile des Materials, dass in den ersten Jahrzehnten des Styropor-Booms verarbeitet wurde. Mineralwolle oder Schüttdämmstoffen wie Altpapierflocken können wiederverwertet werden. Auch Hartschaum wird zu Granulat verarbeitet und weitergenutzt. Aber wohin mit den vielen tausend Hektar Styoporplatten, die ab 2040 von den Häusern gekratzt werden? Wie dann mit dem problematischen Baustoff umgegangen wird, ist noch völlig unklar.

An sich kann auch Styropor recycelt werden, aber die verklebten Schichten (Kleber, Dämmung, Armierung, Putz, Beschichtung) müssen vor der Verwertung sauber voneinander getrennt werden. Forscher arbeiten intensiv an Lösungen, damit auch dieses Material eines Tages einfacher der Nachnutzung zugeführt werden kann.

So  rechnet sich Wärmedämmung

Recycling und Wiederverwertung wird beim Bauen ein Mega-Trend. Es muss sich auch dringend etwas ändern, denn der Bau ist der Müllverursacher Nummer eins. Die Grafik zeigt das sehr deutlich. Mehr als 50% allen Abfalls geht auf Bau-Rechnung. Wir müssen darüber nachdenken, wie wir in der Zukunft, mit kleinerem CO2-Footprint und weniger Müll, gute Gebäude errichten. Noch viel besser wär es, wenn wir smarte Baulösungen für den riesigen Immobilienbestand finden. Abriss und Neubau muss stärker als bisher hinterfragt werden. Schlaue Lösungen für Umbau und Umnutzung rücken bei Immobilienentwicklungen immer stärker in den Vordergrund – aus Nachhaltigkeitsgründen.

Baustoffindustrie Müllverursacher Nummer eins Dämmung

Balkendiagramm: Werte in Mio. Tonnen