Architekten sprechen Fachchinesisch

Das Fachchinesisch der Bauexperten

Architekten und Bauingenieure planen und bauen und sie sprechen eine eigene Sprache: Fachchinesisch. Fachleute brauchen sie, um sich untereinander effizient zu verständigen. Kommuniziert wird auf Basis der verinnerlichten „Gesetze“ der Baubranche. Darüber wird nicht mehr nachgedacht. Sie wird als bekannt vorausgesetzt. So entsteht gewissermaßen ein Fach-Dialekt, das „Baudeutsch“.

Effizienz durch Fachsprache

Was unter Kollegen gut funktioniert, führt im Gespräch mit Laien jedoch zu Unklarheiten und Missverständnissen. Oft verfallen Architekten im Gespräch in ihre Fachsprache: sie übersehen dabei, dass die Erfahrungswelt des Gesprächspartners eine andere ist. Der Laie hat einen anderen Wortschatz:

  • Ein Planer kennt die Größe von Fundamenten unter bestimmten Wandtypen.
    Ein Bauherr weiß vielleicht nicht einmal, was Fundamente sind.
  • Ein Architekt spricht von der HOAI als Honorargrundlage.
    Ein Bauherr weiß nicht, was die HOAI genau ist, und erst recht nicht, was darin steht.
  • Der Bauzeichner plant selbstverständlich Dehnungsfugen in Wand und Boden.
    Ein Bauherr kennt die technischen Hintergründe nicht.

Diese Aufstellung lässt sich beliebig fortsetzen. Was für den einen selbstverständlich ist, ist für den anderen ein Buch mit sieben Siegeln …

Kommunikation ist alles

Projektarbeit braucht gute Kommunikation! Es ist allein Sache des Dienstleisters, sich bei Gesprächen auf die Verständigungsebene seines Auftraggebers zu begeben. Das gilt auch für Architekten. Sie sollten nicht den Fehler machen, mit seinem Auftraggeber wie mit einem Baufachmann zu sprechen. Ein Architekt muss den Wissensstand seines Gegenübers stets im Blick haben und sich sprachlich anpassen. Ansonsten reden sie aneinander vorbei. Das Ergebnis ist Frustration und Irritation.

Architekten sollten ihre Arbeit erklären

Die richtige Ansprache ist noch nicht alles. Nicht nur das Wie, sondern auch das Warum entscheidet darüber, ob der Bauherr den Architekten versteht. Die Form muss mit Inhalt gefüllt werden. Denn so unterschiedlich wie die Sprachwelten, sind auch die Vorstellungen davon, was Architektur überhaupt ist und leistet.

Während Architekten das große Ganze im Blick haben, innovative Technik nutzen und den planerischen Pfad kennen, ist der Kunde vor allem eines: Laie und Pragmatiker, der nur das Ziel vor Augen hat. Ein Laien-Bauherr nimmt ein Gebäude bzw. die Planung anders wahr als ein Fachmann. Diese unterschiedliche Wahrnehmung führt zwangsläufig zu Missverständnissen. Differenzen in der Wahrnehmung sollten aber besser vermieden werden, um Projektentscheidungen transparent zu halten.

Ein Architekt ist Anwalt des Bauherrn

Architekten müssen Fehler schon erkennen, bevor sie gebaut werden und sich „auswirken“. Ihre Aufgabe ist es, Bauherren mit Wissen und Erfahrung vor Fehlplanungen und somit vor Schaden zu bewahren. Dies muss allerdings auch erklärt werden! Ein Bauherr will verstehen, denn in seiner Lebenswirklichkeit kommt es vor allem auf die eigene Wahrnehmung an: Er will seine Vision umgesetzt wissen – die Komplexität des Planungs- und Bauvorgangs unterschätzt er dabei. Wenn er nicht versteht, warum eine Idee sich nicht wunschgemäß umsetzen lässt, entsteht bei ihm Misstrauen und Unsicherheit. Ein Architekt muss absolutes Vertrauen aufbauen, um selbst effizient arbeiten zu können. Die Komplexität einer Bauaufgabe macht es nahezu unmöglich, dem Bauherrn alles im Einzelnen darzulegen. Doch darf das nicht dazu führen, dass Wesentliches – aus Sicht des Bauherrn – unter den Tisch fällt.

Fachchinesisch bitte für andere übersetzen

Architekten sollten ihre Sprache und die unterschiedliche Wahrnehmung reflektieren. Idealerweise stimmen die Verständigungsebenen aller Beteiligten überein. Das schafft Vertrauen. Der Bauherr fühlt sich „auf Augenhöhe“ und ernst genommen. Das Gegenteil entsteht, wenn ein Architekt einen richtigen Inhalt in der falschen Form kommuniziert – wenn seine Erklärungen in der Fachsprache verpuffen. Die Bedeutsamkeit dieser Unterschiede ist den Beteiligten nicht immer bewusst. Daher mein Appell an alle Planer: Wechselt oft in die Wahrnehmungswelt der Bauherren, bevor ihr plant und bevor ihr kommuniziert!

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