Baumensch

Einführung kollaborative Managementpraxis mit TVD

Target Value Delivery (TVD) ist eine Planungsmethode, die übliches Denken auf den Kopf stellt. Bei der TVD werden Einschränkende Umstände nicht als Ballast verstanden. Stattdessen nimmt man diese als Bereicherung für den Entwurfsprozess wahr. Wie im Lean Construction, so ist auch bei der TVD ein Ziel, alles unnötige zu vermeiden und den Mehrwert für den Kunden zu maximieren. Die Methode enthält einen weiteren Paradigmenwechsel, denn es gilt: Erst die Kosten, dann die Planung. Die Baupläne werden der Grundlage einer präzisen Kostenplanung erstellt. Normalerweise geht es andersherum: die Kostenschätzung wird auf Basis eines Entwurfs ermittelt. In der TDV wird gestaltet um zu bauen anstatt zu versuchen das gestaltete zu bauen. Baumenschen wissen, sas ist ein elementarer Unterschied! In der TVD wird von Anfang nur Baubares entworfen. Es sind im Planungsprozess immer neue bzw. andere Lösungen als man dachte möglich. Den üblichen Ausschluss von Alternativen an bestimmten Meilensteinen der Planung gibt es im gesamten TDV Planungsprozess nicht.

Isoliertes Planen ist ineffizient

Eine Architektin lehnt über einem Tisch und skizziert und zeichnet einen Bauplan

Die TVD Teams identifizieren die Probleme gemeinsam, anstatt isoliert zu arbeiten und die anderen Beteiligten damit zu konfrontieren. Transparenz wird in der TVD großgeschrieben. Isoliertes Planen führt oft dazu, dass wertvolle Beiträge anderer Fachbereiche verlorengehen. Manchmal werden so Probleme schon im Keim erstickt, bevor sie sich auswachsen und im Planungsteam Verunsicherung erzeugen. TVD ist ein kooperativer Ansatz, der eine intensive Kommunikation zwischen Fachplanern und Auftragnehmern bedingt und fördert. Die TVD Methode ermöglicht es, durch frühzeitige Abstimmung entscheidende Inputs von der Bauindustrie oder anderen Beteiligten einzubeziehen.

TVD Workshop mit Bild und Grafik

In TVD-Workshops werden regelmäßig visuelle Methoden genutzt, um einen Rahmen für Zusammenarbeit zu schaffen, die richtige Denkweise zu fördern und die Kommunikation im multidisziplinären Team zu verbessern. wie Kunden, Designern und Handelspartnern zu verbessern.

Das menschliche Gehirn verarbeitet visuelle Informationen wesentlich schneller und effizienter als Text: Laut Forschungen von John Medina, einem Experten für Neurobiologie, verarbeitet der visuelle Cortex Bilder in etwa 60.000-mal schneller als Text. Informationen werden außerdem länger behalten, wenn sie visuell sind. Präsentationen, die Bilder enthalten, führen nachweislich zu einer besseren Erinnerung und Verständnis des Inhalts (Medina, „Brain Rules“).

Dual-Coding Theory

Die Dual-Coding-Theorie besagt, dass das Gehirn Informationen besser versteht und erinnert, wenn sie sowohl visuell als auch verbal präsentiert werden. Kommunikation über Bilder aktiviert unterschiedliche Bereiche des Gehirns, wodurch Verknüpfungen entstehen. Die Theorie wird aktiv in der Pädagogik eingesetzt – visuell unterstützte Materialien erhöhen die Lernergebnisse um bis zu 25–40 % (Quelle: Paivio, Mental Representations, 1986). Bilder sind kulturübergreifend! Die erste menschliche Kommunikation waren Bilder wie Höhlenmalereien. Die Wissenschaft zeigen, dass Bilder universelle Kommunikation ermöglicht. Höhlenbilder wie die in Lascaux oder Altamira halfen Menschen, Informationen über Jagd, Gesellschaft und Spiritualität zu teilen, noch bevor Schrift existierte.
Piktogramme oder grafische Symbole, wie Verkehrszeichen oder Emojis, basieren auf denselben Grundprinzipien und sind weltweit verständlich.

Visuelle Hierarchie und kognitive Effizienz

Ein weiterer Aspekt ist die Effizienz visueller Darstellung. Studien des Interaction Design Institute Ivrea zeigen, dass visuelle Strukturen wie Diagramme, Infografiken oder Tabellen die kognitive Last senken. Das Verständnis komplexer Zusammenhänge wird durch Bilder erleichtert, weil sie hierarchisch geordnet sind und schneller verarbeitet werden können. Studien haben gezeigt, dass 3D-Modelle und grafische Darstellungen in der Bauplanung die Fehlerquote senken und die Zusammenarbeit zwischen Teams verbessern (Quelle: McKinsey-Bericht über Digitale Transformation in der Bauindustrie, 2021).
Teams, die visuell planen, erzielen eine bessere Konsensbildung zwischen Planern und Kunden. Fragen werden frühzeitig geklärt und ein gemeinsamer Problemlösungsansatz entwickelt.

Menschen verstehen visuelle Informationen schneller. Bilder lösen Emotionen aus und schaffen Kontext, der bei abstrakten Text Informationen fehlt. Bilder überbrücken Sprachbarrieren, was ihre universelle Kraft unterstreicht. Visuelle Inhalte verankern sich tiefer in unserem Gedächtnis. Mit visuellen Methoden können Lean-Moderatoren dabei helfen, TVD-Teams eine gemeinsame Auffassung von Werten und Zielen zu vermitteln. Design- und Bauprozesse werden so am besten auf den Kundennutzen ausgerichtet.

Workshops zur Werte-Definition

Werte sind subjektiv. Während einige Kunden ihre Prioritäten auf Kosteneffizienz legen, wünschen sich andere ein innovatives Design oder nachhaltige Lösungen. Es besteht häufig Uneinigkeit darüber, wer letztlich die wichtigsten Werte definiert – Investor oder Endnutzer. Die unterschiedlichen Perspektiven machen klare Kommunikation unverzichtbar. Workshops regen den Dialog zwischen Kunden und Endnutzern an. Dadurch entsteht ein gemeinsames Verständnis der Werte. Im Lean Construction nennt man das „Conditions of Satisfaction“ (CoS). Für das Projektziel sind das dann die Muss-Kriterien. Kunden definieren ihre Ziele (z.B. Umweltfreundlichkeit) und das Team leitet messbare Kriterien daraus ab, beispielsweise die LEED-Platin-Zertifizierung bei einem Büroprojekt. Diese definierten Werte bleiben nicht nur während der Planungsphase präsent, sondern werden visuell im Projektraum dargestellt. Sie sind die „DNA“ des Projekts und prägen jede Entscheidung (siehe Abbildung 2.1.1). In unserem Online-Shop bekommst Du ein digitales Werkzeug zur Unterstützung neutraler Entscheidungsfindung auf Basis fester Kriterien.

Büro Scrum Agile Planung

Multidisziplinäre Value-Engineering-Workshops

Eine wichtige TVD-Methode sind Value-Engineering-Workshops, in denen multidisziplinäre Teams gezielt an Kostenoptimierungen arbeiten, ohne die funktionalen Anforderungen zu beeinträchtigen. Verschiedene Fachbereiche analysieren Gebäudesysteme, identifizieren kostentreibende Funktionselemente mit wenig Kundennutzen und entwickeln gemeinsam Alternativen. Da Änderungen in einem Gebäudesystem oft Auswirkungen auf andere Bauteile haben, ist der interdisziplinäre Dialog zwischen Fachplanern und Handelspartnern unerlässlich. Nur so lässt sich ein ganzheitlicher Ansatz entwickeln, der Funktionalität und Kosteneffizienz gleichermaßen berücksichtigt. TVD nutzt agile und kollaborative Methoden, um Prozesse iterativ zu planen. In Sprint-Planungsworkshops werden folgende Schritte durchlaufen:

  1. Definition eines Produktziels passend zu den geplanten Qualitäts- und Quantitätsanforderungen
  2. Visualisierung des „Produkt-Backlogs“: Die Teams der Kundenvertreter, Designer und Handelspartner planen gemeinsam Prozesse und priorisieren Aufgaben.
  3. Regelmäßige Rückmeldungen: In wöchentlichen oder zweiwöchentlichen Meetings diskutiert das Team über Fortschritte und Engpässe, um den Workflow kontinuierlich anzupassen.

Sprinter kniet im Startblock

Fazit zu Target Value Design

TVD bietet eine neue, werteorientierte Arbeitsweise in der Bauindustrie. Der Fokus liegt darauf, Projekte mithilfe von interdisziplinärer Zusammenarbeit so zu steuern, dass der gewünschte Kundennutzen erreicht wird. In Deutschland ist das noch eine verhältnismäßig neue Praxis. Viele Unternehmen optimieren weiterhin isoliert in ihren Spezialgebieten, anstatt das Gesamtbild zu betrachten. Die oben genannten Workshop-Formate helfen dabei, die Prinzipien von TVD praxisnah umzusetzen.
Wertedefinitions-Workshops bringen Teams und Kunden in Dialog über die Projektziele. Value-Engineering-Workshops liefern Ideen zur Kostenoptimierung ohne Qualitätsverlust. Sprint-Planungsworkshops schaffen Transparenz, fördern visuelle Kommunikation und stärken die Zusammenarbeit. TVD erfordert nicht nur passende Methoden, sondern auch einen Wandel in der Arbeitsweise – hin zu einer offenen und kollaborativen Kultur.

Fragen zu TVD

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    Hier findest Du FAQs und aktuelle Infos.

    Quellen: Freie Übersetzung Mehrnoush Nayebi – How to Facilitate Collaboration in Target Value Delivery – Lean Construction Blog [1] BALLARD, G. (2011). Zielwertdesign: Aktueller Benchmark (1.0). Lean Construction Journal, Ausgabe 2011, S. 79-84. [2] MACOMBER, H. HOWELL, G. und BARBERIO, J. (2012). Target Value Design: Neun grundlegende Methoden zur Bereitstellung eines überraschenden Kundennutzens. [online]. Verfügbar unter: http://www.leanconstruction.org/media/docs/chapterpdf/chicago/2012-06-14-lci-chicago-tvd-lpc.pdf. [Zugriff am 4. Mai 2016]. [3] GREIF, M. (1991). Die visuelle Fabrik. New York: Produktive Presse. [4] NICOLINI, D. (2007). Visuelle Praktiken im Bauwesen studieren. Bauforschung & Information. Building Research & Information, 35 (5), S. 576-580. [5] TJELLA, J. und BOSCH-SIJTSEMA, P. M. (2015). Visuelles Management in mittelgroßen Bauprojekten. 8. Nordische Konferenz für Bauökonomie und 6. Organisation. Göteborg, 28.-29. Mai, S. 193-200. [6] HENDERSON, K. (2007). Legitimität erreichen: Visuelle Diskurse in Engineering Design und Green Building Code Development. Building Research & Information, 35 (1), S. 6-17. [7] BALLARD, G. (1999). Können Pull-Techniken im Design Management verwendet werden? Konferenz über Concurrent Engineering. Helsinki, 26.-27. August, S. 1-18.