Bauen ohne Architekt Säge im Garten

Bauen ohne Architekt | Teil 2

Der erste Teil der Serie Bauen ohne Architekt behandelt übergeordnete Bauherren-Themen. In diesem Teil geht es um das leidige Thema Baumängel und den Veränderungen in der Baubranche der letzten dreißig Jahre. Weniger als 20 Prozent privater Bauherren bauen heute noch mit Architekten. Bauen ohne Architekt ist normal. Man kauft das Haus lieber von der Stange, das heißt direkt bei einem Bauträger. Dafür gibt es Gründe. Was meinst du, welche können das sein?

Umfrage: Bauträger / Architekt

Die Auswertung der Umfrage fasse ich dann in einem neuen Artikel zusammen. Bis dahin treffe ich folgende Annahme: Bauherren scheuen in der großen Mehrheit den Aufwand einer individuellen Baulösung mit einem Architekten. Sie glauben: individuelles Bauen ist teurer. Bauherren sind verunsichert. und möchten kein Risiko eingehen. Sie bauen einmal im Leben und möchten einen unkomplizierten Weg einschlagen und Kontrolle behalten. Der Weg zum Bauträger scheint dann oft der Einfachste und Sicherste zu sein.

Auf unseren Baustellen läuft etwas sehr schief

Diagramm Bauschäden Verdoppelung in 10 Jahren

Einfach und sicher? In den letzten 10 Jahren haben sich Baumängel und Schäden verdoppelt! Das gilt für den Wohnungsbau, der in Deutschland den weit grössten Anteil aller Bautätigkeiten hat. Bei diesen schlechten Zahlen entwickeln Bauherren natürlich Misstrauen gegenüber allen Beteiligten. In der Konsequenz legen viele das „Hausbau-Projekt“ gleich in die Hände derer, die sich werblich stets als Vollprofis im Hausbau vermarkten. Sie wenden sich an einen „starken Bauträger“, der Alles für sie managt. Zumindest gehen Bauherren davon aus. Diese pauschale Annahme ist allerdings sehr riskant. Diese Schilderung einer Bauherrin zum Thema „starker Bauträger“ ist nur ein Beispiel. Wer sich auf die vollmundigen Aussagen der Bauträger verlässt, muss mit Problemen rechnen.

Baufehler erkennen ist entscheidend

Egal ob selbstgebaut oder beim Bauträger bestellt – die Wege zum Eigenheim sind manchmal holprig. Denn immer, wenn Menschen zusammenarbeiten, passieren auch Fehler. Das ist auf dem Bau ganz normal. Wichtig ist allerdings, dass die Fehler erkannt und schnell korrigiert werden. Sonst verschwinden die nämlich schnell unter dem nächsten Gewerk. In diesem Fall spricht man von verdeckten oder versteckten Mängeln. Die führen meist erst viel später zu sichtbaren Baumängeln. Die Korrektur die Baumängel ist dann – falls überhaupt möglich – viel teurer und aufwändiger. Lückenlose Qualitätssicherung bei Planung und Baukontrolle ist daher besonders wichtig. Der Laien-Bauherr kann die technischen Fehler nicht erkennen. Er kennt die Zusammenhänge nicht und kann die Folgen nicht abschätzen.

Oft sind es Kleinigkeiten, die zu großen Problemen führen. „Die Schäden durch nicht verpresste Rohrleitungsverbindungen gehen jährlich in die Millionen“, schätzt ein Systemanbieter. Schuld sind Zeitdruck auf der Baustelle oder es wird schlicht vergessen. Denn bereits nach dem Zusammenstecken ist die Verbindung so dicht, dass das bei der Druckprobe nicht auffällt. Nach kurzer Betriebszeit gleitet die Verbindung dann doch auseinander und es heißt „Land unter“.

Der richtige Berater am Bau ist neutral

Falsche Berater sind befangen! Bauherren bestätigen – leider meist zu spät – dass sie bei Planung oder Bau falsch beraten wurden. Sie haben den falschen Personen vertraut. Personen, die befangen sind, weil sie auch Vertriebsinteressen haben, können keine guten Berater sein. Ein Berater darf selbst keine wirtschaftlichen Interessen an der Baustelle haben. Es stimmt: Guter Rat ist nicht immer billig, aber schlechter Rat wird immer teuerer. Ein Bauingenieur oder Architekt verfügt über jahrelange Erfahrung. Diese Erfahrung hat einen Wert, der auch zu vergüten ist.

Leider eignen sich Freunde und Bekannte auch nicht immer als Berater. Wenn sie selbst keine Bauprofis sind, dann erliegt man als Bauherr der Vertrauensfalle. Man vertraut einem Freund, der es besser weiss als man selber. Aber reicht das „besser“ aus? In der Phase der Planung und Vorbereitung gibt es unter Freunden und Bekannten oft nur das eine Thema BAU. Tipps und Tricks machen die Runde. Diese Infos sind wertvoll. Man kennt und vertraut sich. Aber gebau das ist die Gefahr. Solange sich unter den Ratgebern nicht echte Fachleute befinden, verbreiten sich nämlich auch Fehlinformationen unter Freunden schnell. Bei technisch diffizilen Themen sollte man technische Empfehlungen immer beim neutralen Profi hinterfragen. Leider setzt aber bei vielen das rationale Denkvermögen aus, wie ich leicht augenzwinkernd in diesem Beitrag beschrieben habe. Ich kenne das aus eigener Erfahrung 😉 Laien sollten sich vor Augen führen, dass man sich nicht die Erfahrung und das Wissen aller Branchen aneignen kann – auch wenn Baumärkte das suggerieren. Jippijajajippijippijeee

Irgendwann fällt dann die Entscheidung. Inzwischen ist der Bauherr gut informiert und seine Meinung gefestigt: Er will ohne einen Architekt bauen. Der Bauherr will Geld sparen und sich um viele Dinge selbst kümmern. Er hat Bauherrenseminare besucht und sich viel auf Youtube angesehen. Seine Erkenntnis: „Eigentlich gar nicht so schwer, wenn man ein bisschen aufpasst…“

Haus Bauen ohne Architekt – Darf ich das?

Antwort: Ja, da gibt es keine Einschränkungen. Jeder, der sich das zutraut, kann auch ein Wohnhaus bauen. Achtung, damit ist die praktische Umsetzung gemeint. Denn bevor es losgeht, sind einige gesetzliche Regelungen und Bestimmungen einzuhalten. Das gilt sowohl für die Wahl des Grundstücks als auch für die der anderen Ausführenden. Denn nicht jeder ist fachlich in der Lage, bestimmte Spezialaufgaben auszuführen. Statische Berechnungen, die die Standfestigkeit des Hauses bestimmen, müssen von einem Ingenieur erstellt werden. Das gilt sowohl für ein Bauträgerhaus, als auch für ein Architektenhaus. Bei alten Gebäuden gilt: Wenn keine tragenden Wände verändert werden, die Statik sich also nicht ändert, können Innenarbeiten vom Bauherren selbst gemacht werden. Merke: Neubau geht nicht ohne Hilfe. In diesem Artikel gibt es Tipps zu tragenden Wänden.

So geht es in der Reihe Bauen ohne Architekt weiter: Wann brauche ich einen Bauantrag? Welche Gebäude sind genehmigungsfrei? Was kostet die Genehmigung? Wer hat eine Bauvorlageberechtigung?

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