Wer beim Bauen sparen will, sollte auf Erker und Zwerchhaus verzichten

Aus Fehlern soll man lernen – am besten aus Fehlern anderer. Ohne Zweifel gibt es beim Bauen nie DIE eine richtige Lösung. Vielmehr besteht die Kunst darin, eine bauliche Lösung zu finden, die genau zur Aufgabe passt. Vor dem bauen sollte man sich ausreichend Zeit für die Planung nehmen. Alle finanziellen und technischen Folgen von Einzelentscheidungen sollten zu Ende gedacht sein. Was einmal gebaut wurde, lässt sich nämlich nicht so einfach ändern. Gute Bauplanung ohne Zeitdruck ist dafür die beste Voraussetzung. Mit einer ordentlichen Planung sparst du garantiert das meiste Geld! Soweit zur Einstimmung auf den Artikel über das Zwerchhaus. Gestern bin ich nämlich bei meiner Radtour an einer ganz besonderen Baustelle vorbeigefahren. Das musste ich fotografieren! Das Bild zeigt den Rohbau eines Wohnhause bei Hattingen. Mein besonderes Interesse galt der Fassade, die aus mehrere Zwerchhäusern besteht. Sicher wurde der Bauherr nicht über die Konsequenzen dieser Planung aufgeklärt – dieser Text soll das nachholen. Übrigens, wenn du dein Projekt auch anderen zeigen möchtest, dann geht das am besten mit unseren Digitalen Bauschildern.

Was ist ein Zwerchhaus

Ein Zwerchhaus eines Fachwerkhauses

Beim Zwerchhaus handelt es sich im Grunde um eine besondere Form einer Gaube. Wikipedia schreibt: Ein Zwerchhaus ist ein quer (= „zwerch“) zum Hauptdach aufgeschobener Dachaufbau. Im Gegensatz zur Gaube schließt sein Giebel mit der Hauswand ab und kann auch mehrgeschossig ausgeführt sein. Anders als Gauben, sind Zwerchhäuser keine Dachaufbauten – Gauben werden auf den Dachsparren errichtet – sozusagen Holz auf Holz. Ein Zwerchhaus ist eine Mischung aus Fassade und Dach. Beim Zwerchhaus endet die Außenwand nicht unter der Traufe des Hauptdaches. Beim Zwerchhaus wird die Fassade über den Traufpunkt nach oben weitergeführt. Ein Gebäude wird durch das Zwerchhaus an dieser Stelle “höher”, weil sich ein eigener Giebel entwickelt.

Anders als eine Gaube, hat ein Zwerchhaus im Innenraum keinen Drempel/Kniestock. Hinter dem Zwerchhaus kann der Raum in voller Höhe genutzt werden. Die Lichte Höhe wird – besonders beim Zwerchhaus mit einem Kreuzdach – nicht eingeschränkt. In der Fassade können die gleichen Fenster wie in den darunter liegenden Geschossen verbaut werden, denn die Fassade setzt sich im Zwerchhaus fort. Fast scheint es so, als wäre das Zwerchhaus die ideale Lösung für mehr Wohnraum im Dachgeschoss, aber Vorsicht: Auch wenn das Zwerchhaus baurechtlich und planungsrechtlich zulässig ist, gibt es einige gestalterische und technische Nachteile, die ich später aufzeige.

Was ist ein Risalit im Unterschied zum Zwerchhaus

Risalit oder Zwerchhaus - wichtiger Unterschied

Gelegentlich wird das Zwerchhaus mit dem Risaliten verwechselt. Beim Risaliten springt die gesamte Fassade – also auch im Erdgeschoss – aus der Flucht heraus. Wikipedia formuliert das so: Der Risalit ist ein zumeist auf ganzer Höhe aus der Fluchtlinie eines Baukörpers hervorspringender Gebäudeteil. Dieser braucht naturgemäß auch ein eigenes Dach – unterscheidet sich aber durch den Gebäudevorsprung vom Zwerchhaus. Weil der Baukörper vorspringt, wird in einigen Landesbauordnungen diese Gebäudeform zur Berechnung von Abstandsflächen gesondert betrachtet. Eigentlich ist ein Risalit auch kein Dachaufbau, sondern ein eigener abgesetzter Gebäudeteil.

 


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Diese Gründe sprechen gegen Zwerchhäuser

Innen: Vor- und Rücksprünge. Die Fassadenseite kannst du unter Umständen schlecht möblieren. Durch das Zwerchhaus bilden sich im Raum zwei schräge Kanten, um die man herumlaufen muss bzw. an denen man sich stoßen kann. Diese Kanten verkomplizieren die Raumgeometrie.

Außen: Anschlüsse an vertikale Flächen/Seitenflächen des Zwerchhauses (Bild-Pos.3): Durch die Bauart entstehen rechts und links des Zwerchhauses Linien, an denen die normale Dachfläche an die aufgehenden Wände angeschlossen werden. Diese Anschlüsse sind bautechnisch kompliziert und fehleranfällig. Sie müssen perfekt auf die bauliche Situation abgestimmt sein, um Risse durch Dehnungen zu vermeiden. Dieser Bereich muss gegen Wasser und Schnee besonders gut abgedichtet werden. Schneeverwehungen setzen sich gerne an diesen Bereichen an. Taut der gefrorene Schnee dann wieder auf, kann Feuchtigkeit an höhere Bereiche der Aussenwand gelangen. Weil Dachdecker diese Bauteilanschlüsse aufwendig sind, liegen die Kosten auch entsprechend hoch. Auf komplizierte Details sollte man daher verzichten.

Unterbrochene Regenrinne > Je mehr Endpunkte es im Regenrinnensystem gibt (Bild-Pos.2), desto mehr potenzielle Probleme beim Bauen und bei der Wartung hast du. Denn dort sammelt sich Laub und Schmutz. Dilatationen durch Temperaturunterschiede und Frost führen zusammen mit Feuchtigkeit auf Dauer zu Undichtigkeiten. Es gibt einen Merksatz beim Planen und Bauen: Wasser sollte möglichst vom Haus weggeführt werden. Je einfacher das technisch gemacht wird, desto besser ist es. Wer schon mal mit einem Wassereinbruch im Keller zu tun hatte, wird das bestätigen. Für jedes Fallrohr (Bild-Pos.1) unter Regenrinnen entsteht ein Entwässerungspunkt vor der Fassade, der verstopfen kann. Fallrohre werden an die Entwässerung bzw. Drainage angeschlossen. Je mehr solcher Punkte du im Erdreich hast, desto größer ist das Risiko. Auch hier gilt: Komplizierte und teure bauliche Lösungen weitestgehend vermeiden.

 

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