Familie vor Grundriss

Finde den perfekten Grundriss für dein Haus

Ein Grundriss sollte fachgerecht und zukunftssicher sein. Architektenhäuser haben zu Unrecht den Ruf, teuer zu sein. Daher nehmen Bauherren die Planung gern selbst in die Hand. Während einige auf erprobte Grundrisse zurückgreifen, macht es anderen Häuslebauern große Freude, die eigenen vier Wände vom ersten Strich an selbst zu planen. Gegen Aufpreis lassen sich auch beim Bauträger individuelle Grundrisswünsche realisieren. Was bei der Grundrissplanung zu beachten ist, erfährst du in diesem Artikel.

Sichtachse und Himmelsrichtungen

Zunächst einmal solltest du die Umgebung des Hauses genau unter die Lupe nehmen. Wie soll das Haus ausgerichtet sein? Gibt es draußen Straßen und Wege und an welchen Zimmern sollen sie vorbeiführen? Bietet die Umgebung besondere Ausblicke und von welchen Räumen aus möchtest du diese genießen können? Nach den äußeren Gegebenheiten wird die Sichtachse des Hauses ausgerichtet. Auch die Sonnenausrichtung spielt eine große Rolle. Hierzu empfehle ich auch diesen Artikel zum Thema Fassade.

In unseren Breitengraden ist es „üblich“, die Fassade zum Süden hin zu öffnen – das bedeutet: viel Glas einzuplanen, damit Licht und Wärme und Haus kommen können. Weil im Norden nie die Sonne scheint, werden die Nordfassaden eher geschlossen gestaltet. Das Schlafzimmer richten viele nach Osten aus, damit morgens die erste Sonne genossen werden kann. Wer morgens aktiv ist oder gerne ausgiebig frühstückt, öffnet auch den Essbereich in Richtung Osten bzw. Südosten. Die wichtigste Orientierung ist die Südfassade, zu der meist die Hauptwohnräume ausgerichtet sind. Besonders im Winter ist das von großer Bedeutung, denn jeder Sonnenstrahl soll ausgekostet werden.

Flure und Zimmer

Flure sollten nicht zu groß dimensioniert sein, um möglichst viel Nutzfläche in den Zimmern zu gewinnen. Dunkle, enge Gänge sollten vermieden werden. Idealerweise gelangt Tageslicht in die Flure. Flure können auch die Funktion als Schallpuffer zwischen lauteren (Küche) und leisen Räumen (Schlafzimmer) übernehmen. Im Eingangsbereich wird Platz benötigt – besonders bei Familien mit Kindern. Daher sollte der Eingang passend dimensioniert sein.  Manchmal ist ein sogenannter „offener Grundriss“ geeignet. Der Grundriss sollte den Anforderungen einer wachsenden Familie gerecht werden. Zum Beispiel sollten individuelle Rückzugsmöglichkeiten eingeplant werden.

An später denken

Die Bedürfnisse einer Familie wandeln sich im Laufe der Zeit. Zuerst brauchen Kinder viel Platz zum Spielen, später ziehen sie aus und lassen leere Zimmer zurück. Die Kinderzimmer sollten möglichst nicht neben dem Schlafzimmer oder Arbeitszimmer der Eltern liegen, um gegenseitiges Störungen zu vermeiden. Bei Jugendlichen entsteht ohnehin ein Bedürfnis nach Distanz. Sind die Räume mit individueller Nutzung etwa gleich groß, so lassen sie sich später tauschen. Bequemes Wohnen im Alter bedeutet, im Alltag keine Treppen überwinden zu müssen. Zu oft genutzten Räumen sollten die Wege möglichst kurz sein. Der Treppenaufgang sollte so breit sein, damit später ein Treppenlift eingebaut werden kann. Räume mit Installationsbedarf wie Küche und Badezimmer sollten möglichst übereinander / nebeneinander liegen. Wer genug Fläche im Haus hat, sollte zusätzlich zum Badezimmer ein Gäste-WC einplanen.

Wie groß soll das Haus sein?

Schaue dich aufmerksam in den Häusern von Freunden oder Bekannten um, lass dich inspirieren und überprüfe anhand deiner persönlichen Anforderung die Größe der Zimmer. So bekommst du ein gutes Gefühl dafür, was du wirklich brauchst.  Hilfreich ist auch der Besuch von Musterhäusern, wo sich verschiedene Grundrisse und Größen einfach vergleichen lassen. Zudem haben gute Musterhäuser ausgeklügelte Grundrisskonzepte mit flächeneffizienten Grundrissen und wenig unnützen Flächen.

Unnütz sind Flächen, die außer der Erschließung keine eigene Funktion haben, wie z.B. die Küche. Solche Laufwege nennt man auch Verkehrsflächen. Am echten Beispiel einer „Stadtvilla“ habe ich alle Flächen rot markiert, die lediglich der Erschließung dienen. Es handelt sich um reine Bewegungsflächen, die nur dazu dienen, von einer Funktionsfläche zu anderen Funktionsfläche zu kommen. Die Stadtvilla hat (ohne Garage) eine Fläche von rd. 100m². Etwa fünfzig Prozent der Gesamtfläche erfüllt bei der gezeigten Möblierung keinen Zweck – diese Fläche könnten eingespart werden!grundriss mit viel verkehrsflächen

Altes Haus umplanen

Auch ein altes Haus lässt sich nach eigenen Vorstellungen gestalten. Dafür brauchst du Grundrisspläne vom bestehenden Gebäude. Tragende Wände solltest du nach Möglichkeit beibehalten. Ein Abriss oder Teilabriss von tragenden Wänden ist zwar möglich, der damit verbundene Aufwand kann aber erheblich sein. Ansonsten ist man bei der Grundrissgestaltung frei und kann den Wohnraum z.B. durch das Entfernen von Wänden offener gestalten, als er ursprünglich einmal geplant wurde.

Den perfekten Grundriss gibt es nicht

Jeder Mensch hat Bedürfnisse, die sich im Laufe der Zeit ändern und jeder Lebensabschnitt hat besonderen Anforderungen (ohne Kinder – mit Kindern / ohne Hobby – mit Hobbys / wenig Bedarf nach Ruhe – viel Bedarf nach Ruhe usw.). Bei dir wird das auch so sein, auch wenn du das jetzt noch nicht sehen möchtest. Dein Haus muss auf diese Veränderungen reagieren können! Manchmal müssen später Wände verschoben oder abgerissen werden – manchmal reicht es auch aus, in ein anderes Zimmer zu ziehen. Ein guter Grundriss muss dein Leben begleiten und Veränderungen in deinem Zuhause möglich machen. Schon bei der Planung entscheidet sich, wie teuer oder pflegeleicht dein Haus „im Betrieb“ sein wird. Daher ist die Beratung durch einen Experten für Wohnungsplanung sehr sinnvoll. Hier findest du Profis, die dir helfen können.

5.4.2019: Dieser Artikel wird aktuell überarbeitet. Fragen oder Wünsche bitte in den Kommentar. Folgende Inhalte werden noch ergänzt: offener Grundriss, Umbau in der Zukunft, …

 

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