Zwei Personen mir warmen Winterjacken. Sinnvolle Wärmedämmung

Sinnvolle Wärmedämmung

Bei Kälte müssen wir unsere Gebäude heizen, weil Wärme nach außen abfließt. Verantwortlich dafür ist die Wärmeleitung, eine physikalische Gesetzmäßigkeit, nach der Wärmeenergie immer in die Richtung der kalten Seite eines Bauteils wandert. Hierbei wird Wärmeenergie übertragen, obwohl sich das Bauteil selbst nicht bewegt. Ursache sind die durch Wärme in Bewegung geratenen Atome, die ihre Energie an die kälteren und langsameren Teilchen übertragen. Eine sinnvolle Wärmedämmung soll diese Energiewanderung verlangsamen oder sogar verhindern. Dafür braucht man Stoffe, die Energie weniger gut leiten – die sogenannte Wärmeleitfähigkeit muss gering sein. Stoffe mit geringer Wärmeleitfähigkeit sind u.a. Luft, Holz oder Polystyrol. Unglaublich, aber auch Glas und Beton haben eine geringe Wärmeleitfähigkeit!

Auch Glas und Beton ist Wärmedämmung

Viel Wärmedämmung bedeutet nicht zwangsläufig wenig Energieverbrauch. Das liegt an den unterschiedlichen Anforderungen, die Nutzungen an die Gebäude stellen. Jeder Nutzer braucht sein individuelles Raumklima. Ein Fitnessstudio braucht eine starke Lüftungsanlage, weil dort besonders viel Sauerstoff verbraucht wird. Bei Bürogebäuden wird ein großer Teil der Primärenergie für die Raumkühlung verwendet, während es in Wohngebäuden darauf ankommt, die Räume warmzuhalten – das wiederum gilt auch nur für unsere Klimazone. Und selbst bei Wohngebäuden sind die Anforderungen unterschiedlich: In einer normalen Etagenwohnung soll die Raumtemperatur konstant gehalten werden. Eine Ferienwohnung hingegen, die nur an Wochenenden genutzt wird, darf während der Woche auskühlen und muss sich im Winter schnell aufheizen lassen. Auf unterschiedlichen Anforderungen muss auch die Wärmedämmung am Gebäude abgestimmt sein. Das zeigt, dass es nicht die EINE richtige Lösung für die ideale Wärmedämmung gibt.

Ein Haus kann sich nicht umziehen

Eine Wärmedämmung ist im übertragenen Sinne der Mantel eines Hauses – dieser Vergleich ist tatsächlich sehr passend. Das nackte Gebäude mit seinen Räumen ist dabei der Körper – interessanterweise spricht man auch vom Baukörper. Die Außenwand und das Dach sind die Haut. Die Dämmung übernimmt bei Gebäuden die Funktion unserer Kleidung und schützt den Körper gegen Wind und Wetter. Die Außenhaut des Hauses hat auch eine wasserabweisende Funktion. Das übernimmt u.a. die Dachdeckung und der Außenputz bzw. der Anstrich.

Wie beim Menschen und seiner Kleidung, entsteht auch in einem Baukörper Wasserdampf, der abgeführt werden muss. Wer schon mal in unter einem Friesennerz geschwitzt hat, kennt die unangenehmen Folgen. Im Haus entsteht Wasserdampf u.a. durchs Kochen. Doch der weitaus größte Anteil an Wasserdampf entsteht durch menschliche Ausdünstungen.

Wenn wir nach draußen gehen und das Wetter sich ändert, ziehen wir uns um oder wir haben gleich einen “Zwiebel-Look” an. Im Unterschied zu uns, kann sich ein Haus nicht umziehen. Wer ein Haus richtig anziehen will, muss Kleidung finden, die im Sommer und im Winter passt und auch in unterschiedlichen Situationen immer funktioniert. Kennst du eine Kleidung, die das kann? Wahrscheinlich nicht. Das ist der Grund dafür, warum die Planung von Gebäudedämmung recht kompliziert ist.

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Gegen Kälte kann man sich auf unterschiedliche Arten schützen. Jeder weiß, eine Daunenjacke und ein Mantel haben unterschiedliche Eigenschaften: Die Daunenjacke ist leicht, der Mantel ist schwer. Wir wählen unsere Oberbekleidung gezielt nach der Wetterlage aus. Doch was ist der Unterschied zwischen den beiden Kleidungsstücken?

Die Daunenjacke wirkt wie ein Wärmedämmverbundsystem

Bei eisiger Kälte ist eine Daunenjacke etwas Feines. Selbst, wenn die Jacke die ganze Nacht im kalten Auto gelegen hat, wärmt sie unseren Körper sofort nach dem Anziehen. Wird es tagsüber wärmer, kann eine mollige Daunenjacke schnell unangenehm werden. Im Vergleich dazu muss der schwere Wintermantel zunächst am Körper warm werden, bevor man sich darin richtig wohlfühlt. Der Vorteil der Daunenjacke: Sie ist leicht und wärmt schnell, denn sie besteht im Prinzip nur aus Luft. Die Luft in den abgenähten Luftkissen der Daunenjacke wirkt als Puffer zwischen der kalten Außenluft und unserem Körper. Diese Luftschicht verhindert, dass unsere Körperwärme schnell nach draußen fließt.

Beim Mantel wirkt ein anderes Prinzip. Er ist schwerer, dichter gewebt und enthält weniger Luft. Dabei wirkt ein anderes physikalisches Gesetz: Je mehr Masse ein Körper hat, desto träger wird er. Diese Trägheit bezieht sich auch auf die Wärmeleitfähigkeiten. Der Mantel braucht nach dem Anziehen länger, um warm zu werden. Ist er einmal warm, sorgt er dafür, dass der Wärmeabfluss durch das Gewebe nur sehr langsam erfolgt. Die Trägheit wirkt als Speicher. Fazit: Der Mantel verfügt über mehr Masse und damit über einen eingebauten Wärmespeicher. Eine Daunenjacke ist leicht, sie hat wenig Masse und kann folglich wenig Energie speichern. Beide Kleidungsstücke schützen mit ihren Eigenschaften gegen Kälte, sie tun es aber auf unterschiedliche Art und Weise. Bei unserer Kleidung wirken also entweder die Speichereigenschaften oder die Dämmeigenschaften.

Systematische Fehler bei der Gebäudedämmung

Das gleiche Prinzip müsste eigentlich auch bei der Gebäudedämmung zur Anwendung kommen. Tut es aber nicht. Bei genauer Betrachtung des Marktes erkennen wir einen Systemfehler: Die Speicherfähigkeit von Wärmedämmung spielt heute keine Rolle mehr! Man fokussiert ausschließlich die Dämmeigenschaften. Warum ist das so und war es immer so?

Wir machen einen großen Fehler, indem wir unseren Gebäuden ausschließlich dicke Daunenjacken anziehen. Im Laufe der Jahre wurden die dem stärken immer größer. Dies führt dazu, dass die im Gebäude eingetragene Wärmeenergie der Nutzer ausreicht, um die Innentemperatur zu halten. Man braucht keine Heizung. Der Haken an der Sache: damit das funktioniert, müssen Gebäude absolut luftdicht sein, damit keine warme Raumluft unkontrolliert entweichen kann. Null Energiehäuser müssen daher mit einer Lüftungsanlage ausgestattet sein, die dafür sorgt, dass die anfallende Feuchtigkeit regelmäßig abgeführt wird, weil es sonst zu Bauschäden kommen kann.

Je dicker die Dämmschicht ist, desto größer ist die Gefahr der Durchfeuchtung. Wärmedämmung funktioniert nur, wenn sie absolut trocken ist! Sobald sich in der Dämmschicht Feuchtigkeit oder Nässe bildet oder diese nicht mehr aus der Dämmung austreten kann, verliert die Dämmung ihre Wirkung und Wärme kann nach außen entweichen. Darüber hinaus kommt es zu Bauschäden durch Frost und Schimmel.

Was ist sinnvolle Wärmedämmung

Bei der Planung von sinnvoller Wärmedämmung ist immer der komplette Lebenszyklus der Immobilie zu betrachten. Sinnvolle Wärmedämmung wird aus nachhaltigen bzw. nachwachsenden Rohstoffen hergestellt – das kann auch Holz sein!

Wenn man Stück Massivholz berührt, fühlt es sich warm an, anders als Bauteile aus Stahl oder Aluminium. Das liegt daran, dass Holz ein schlechter Wärmeleiter ist. Du spürst die Wärme deiner Hand, weil das Material die nicht ableitet oder absorbiert. Diese Eigenschaft ist typisch für Wärmedämmung. Daher kann man Holz auch dafür verwenden.

Wenn Holz wächst, entstehen kleine Zellen, die im getrockneten Zustand luftgefüllt sind. Holz hat dadurch bemerkenswerte Dämmeigenschaften, denn Luft gehört zu den schlechtesten Wärmeleitern überhaupt.

Es gibt traditionelle Beispiele, die belegen, dass sich mit Massivholz eine effiziente Wärmedämmung bauen lässt, die zudem ein gutes Raumklima erzeugt – ich denke beispielsweise an Blockhäuser oder Blockhütten.

Urteile zu Baumängeln

Handwerker müssen sich selbst kontrollieren. Müssen Bauteile zwingend vorbehandelt werden, weil es anderenfalls zu Folgemängeln kommt, muss der Auftragnehmer die erforderliche Vorbehandlung auch dann vornehmen, wenn sie in der Leistungsbeschreibung nicht aufgeführt ist. Andernfalls muss er gegenüber dem Auftraggeber rechtzeitig Bedenken anmelden. LG München, Beschluss vom 23.06.2016 - 27 U 2283/15 Bau; BGH, Beschluss vom 26.06.2019 - VII ZR 199/16 (Nichtzulassungsbeschwerde zurückgewiesen)

Abriss und Neubau kann auch bei Putzrissen verlangt werden. Der Auftraggeber kann den Rückbau und die komplette Neuerstellung eines mangelhaften Bauwerks verlangen, wenn durch lediglich lokale Nachbesserungsarbeiten kein den anerkannten Regeln der Technik entsprechender Zustand hergestellt werden kann. Eine Mängelbeseitigung kann nicht wegen "hoher Kosten" verweigert werden. Entscheidend ist unter anderem, ob die Funktionsfähigkeit des Werks beeinträchtigt wird. Auch wenn die Statik des Gebäudes nicht gefährdet ist, muss der Auftraggeber das nach einer Nachbesserung verbleibende erhöhte Risiko von Putzrissen nicht hinnehmen. OLG Dresden, Urteil vom 02.02.2017 - 10 U 672/12; BGH, Beschluss vom 04.09.2019 - VII ZR 42/17 (Nichtzulassungsbeschwerde zurückgewiesen)

Schimmel muss immer beseitigt werden. Schimmelpilzwachstum in Innenräumen ist ein Gesundheitsrisiko, dessen Beseitigung der Erwerber einer neu errichteten Eigentumswohnung vom herstellenden Verkäufer (Unternehmer) verlangen kann, ohne dass dem die Unverhältnismäßigkeit der Kosten oder des Aufwands entgegenstehen. OLG Naumburg, Urteil vom 11.07.2019 - 1 U 116/18

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