Wärmedämmung

Bautechnik und Wärmedämmung

Nachträgliche Wärmedämmung hat seinen Preis: Jeder Quadratmeter WDVS an der Außenfassade kostet ca. 130€. Eine Innendämmung kann noch kostspieliger sein und ist technisch sehr anspruchsvoll. Ohne bauphysikalische Beratung sollte man keinesfalls loslegen. Das nachträgliche Dämmen eines Daches kostet ca. 150€/m². Du siehst, bei energetischen Sanierung kommen schnell fünfstellige Beträge zusammen. Ob und wann Dämmen wirtschaftlich ist, hängt von mehreren Faktoren ab: Dem Zustand des Gebäudes, dem Energiepreis, der Restnutzungsdauer und letztlich auch vom Nutzerverhalten nach der Sanierung.

Individuelle Planung ist entscheidend

Grafik Wärmeverlust Haus GebäudeMit einer individuell geplanten Dach- und Fassadendämmung lassen sich 30 bis 40 Prozent Heizkosten einsparen. Das zeigen Analysen der Klimaschutzkampagne co2online. Die Betonung liegt allerdings auf „individuell geplant“! Denn Fehler bei der Planung und Ausführung wirken sich bei einer Nutzungsdauer von 30 bis 50 Jahren finanziell empfindlich aus. Unterstellt man einen entsprechenden Nutzungszeitraum, dann ist in der Mehrzahl der Fälle eine nachträgliche Wärmedämmung wirtschaftlich sinnvoll. Darin besteht Einigkeit unter allen Experten. Die Maßnahmen müssen aber zum Gebäude passen. In Altbauten lässt sich nicht immer die neueste Haustechnik einbauen. Der Aufwand der Sanierung lohnt sich dann nur bis zu einem gewissen Grad, denn es fehlen die gebäudetechnischen Voraussetzungen. Zum Beispiel lässt sich eine Dämmung unter einer Bodenplatte nachträglich nicht herstellen.

Wärmedämmung kann brandgefährlich sein

Vor dem Häuserblock brennen Müllcontainer. Binnen Minuten greift das Feuer auf die komplette Fassade über. Ein Großbrand in Delmenhorst im Jahr 2011 war nur einer von vielen Fällen, in denen Styropordämmungen in Brand gerieten. Polystyrol ist ein sehr beliebter Dämmstoff. Er ist günstig und praktisch zu verarbeiten, aber leider auch leicht entzündlich. Polystyrolplatten werden mit Flammschutzmitteln behandelt, um die Entszündlichkeit zu reduzieren Laut Bauordnung müssen beim Einbau zudem verschiedene Sicherheitsvorschriften beachtet werden. Eingearbeitet Brandschutzriegel verhindern – theoretisch – die schnelle Brandsubreitung über die Fassade. Trotzdem passiert es immer wieder. Das Forschungsinstitut für Wärmetechnik hat die bekannten Brandfälle im Rahmen einer Studie untersucht und gibt in vielen Fällen Entwarnung. Fake-News und Lobbyarbeit haben das Bild der Situation verzerrt. In vielen Fällen könne Entwarnung gegeben werden, denn oft spielten Baumängel eine Rolle und in anderen Fällen brannte es schon während der Baustelle. Bei korrekter Verarbeitung ist das Brandrisiko überschaubar. Ganz sicher ist man nur mit mineralischen Dämmstoffe. Die brennen nämlich nicht.

Wärmedämmung und der Schimmel

„Gedämmte Wände können atmen nicht und dann entsteht Schimmel“. Ein Irrtum. Schimmel entsteht dann, wenn warme Raumluft mit hoher Luftfeuchtigkeit an kalten Außenwänden kondensiert. Eine korrekt aufgebaute Dämmung hält die Wände warm. Dann kann es nicht zu Schimmel kommen – wenn das das Gebäude richtig genutzt wird. Auch in gutgedämmten Gebäuden gibt es Wärmebrücken. An diesen Stellen, zum Beispiel an Fenstern, kühlt die Luft ab. Damit sich kein Tauwasser festsetzen kann, muß regelmäßiges gelüftet werden. Ungedämmte Gebäude lüften sich zum Teil von selbst – nicht über das Mauerwerk, sondern über die alten (und undichten) Fenster und Türen. Bei einem frischgedämmten Gebäude muss man gezielt und bewusst für einen regelmäßigen Luftaustausch sorgen. Wird das versäumt, entsteht unweigerlich ein Schimmelproblem.

Algen bilden sich an gedämmten Fassaden, weil nach der Bewitterung durch Regen die Feuchtigkeit nur langsam abtrocknet. Die Wandoberfläche ist kalt ist. Ohne eine Dämmung, würde die Innenwärme die Aussenwand aufwärmen, wodurch die Wand außen schneller abtrocknen würden. Doch unschöne Belag ist nicht nur ein kosmetisches Problem, sondern ggf. auch für Menschen schädlich. Wo Schimmelsporen gedeihen, können sie beim Lüften auch ins Haus gelangen. Am Wald gelegene Gebäude oder Gebäude mit N-W-Ausrichtung könnten besonders betroffen sein.

Wie dick muss Dämmung sein

Auf diese Frage gibt es keine eindeutige Antwort. Das Dämmsystem und die Dämmstoffdicke bestimmt den Dämmwert. Je besser der Dämmwert ist, desto dünner kann die Dämmschicht sein. Pflanzliche Dämmstoffe haben meistens eine höhere Wärmeleitfähigkeit (ca. 0,04 W/mK) als künstliche Baustoffe wie Polystyrol oder Mineralfaser (ca. 0,035 W/mK). Daher trägt man Naturdämmstoffe in der Regel etwas „dicker auf“, um die gleiche Wirkung zu erzielen.

Wer sanieren will, sollte von Beginn an einen erfahrenen Experten einbinden. Dieser wird nach der Ortbesichtigung eine Empfehlung aussprechen und technische Lösungen entwickeln. Er weiss, dass ein Hohlblockziegel einen anderen Dämmwert hat als eine Betonwand und daher eine geringere Dämmstoffdicke braucht. Außerdem sollte er die einschlägigen Vorschriften kennen und die Gestaltungsspielräume von Normen und Gesetzen geschickt nutzen. Denn fast immer gibt es alternative Lösungen, die auf das Objekt abgestimmt werden können. Stichwort: Die Unmöglichkeit einer Dämmung unter der Bodenplatte eines Altbaus.

Dicker ist nicht gleich besser

Wer Fördermittel beantragen will, muss wieder andere Vorgaben erfüllen. Dort sind nämlich Mindestdämmstärken gefordert. Ab einer gewissen Stärke machen zusätzlichen Zentimeter Dämmung energetisch immer weniger Sinn. In der Grafik sind diese Bereiche in gelb und rot hinterlegt. Eine Wirtschaftlichkeitsberechnung ist dringend zu empfehlen, denn jeder Zentimeter kostet Geld, macht die Konstruktion anfälliger und aufwändiger. Zu beachten sind auch andere architektonische Konsequenzen, denn je dicker die Dämmung auf der Fassade, desto tiefer sind auch die Fensterlaibungen. Das beeinträchtigt nicht nur die Behaglichkeit, sondern auch die natürliche Belichtung. Die Folge: Das Licht muss länger anbleiben (Energiekosten). Welcher Aufwand zum Erreichen eines bestimmten energetischen Niveaus sinnvoll ist und ob dieser sich lohnt, ermittelt der Experte. Wirtschaftlich interessanter werden Dämmmaßnahmen an der Fassade, wenn dort sowieso Sanierungsarbeiten anstehen, z.B.: Ein neuer Aussenputz oder ein neuer Fassadenanstrich.