Besprechung am Tisch Bauteam

Bauteam Kooperation

Die Kooperation zwischen Architekt und Bauhandwerk ist in Holland gelebte Praxis. Mit diesem Modell lassen sich bis zu 15 % einsparen. Dabei handelt es sich um die üblichen GU-Zuschläge. In Deutschland konnten sich Bauteam-Modelle bislang noch nicht durchsetzen. Aber gerade bei komplexen Projekten bieten Bauteam-Modelle großes Potential für kleine spezialisierte Architekturbüros und Handwerker. Vorbehalte gegenüber Bauteams entstehen, weil sich Handwerker-Kooperationen oder Schlüsselfertiganbieter gelegentlich als „Bauteam“ bezeichnen. Diese Vorbehalte sind völlig unbegründet, denn ein Bauteam-Verfahren ist grundsolide. Es zielt vor allem auf eine intensive und produktive Zusammenarbeit von Planung und Ausführung.

Im Team erfolgreich planen und bauen

Die Idee eines Bauteams ist, dass alle Beteiligten sehr früh partnerschaftlich zusammenarbeiten. Das Bauprojekt soll von Beginn an parmanent optimiert werden. Schon beim Vorentwurf werden ausführende Unternehmen in die Planung einbezogen. Die Kostenobergrenze setzt dabei das Ziel, welches vom Bauteam erreichtwerden muss. Innerhalb dieser Kosten ist die Qualität zu optimieren. Die planende und die ausführende Seite optimieren gemeinsam das Projekt gewerkeübergreifend. Das ist ein wesentlicher Unterschied zu normalen Projektabläufen. Die Auswahl der Unternehmen im Bauteam kann auch im Wettbewerb erfolgen.

Häufig kommen Unternehmen wiederholt zusammen, die gemeinsam schon gute Erfahrungen gemacht und Vertrauen aufgebaut haben. Der Bauherr schließt mit dem Architekten und den ausführenden Unternehmern in der Regel einzelne Verträge ab. Damit bleibt die wirtschaftliche Trennung von Planungs- und Ausführungsleistungen erhalten. Eine Trennung der Aufgabenbereiche im Projekt soll hingegen so gering wie möglich sein. Nur durch intensiven Austausch werden optimale Lösungen gefunden. Erfolgreichen Bauteamarbeit entsteht, wenn alle Beteiligten das Projekt als ein Ganzes sehen und den Projekterfolg als ein gemeinschaftliches Anliegen verstehen. Offenheit und Transparnez bei allen wechselseitigen Interessen ist wichtig. Das gilt besonders für die Kalkulation. Alle Beteiligten sollen profitieren und es darf keine Verlierer geben. Hierfür braucht das Bauteam eine kommunikative Struktur.

Die Ziele der Beteiligten sind im Vorfeld herauszuarbeiten und sie müssen so entwickelt sein, dass alle Beteiligte diese leben können. Jeder muss am Erfolg und Misserfolg teilhaben. Größtmögliche Offenheit in der Kommunikation führt zu gewünschter sozialer Kontrolle unter den Beteiligten. Starre Auftraggeber-Auftragnehmer-Verhältnisse mit Bauunternehmern sind ungewünscht, denn zwischen ihnen gibt es i.d.R nur wenige unvermeidlichen Berührungspunkte oder Arbeitsbeziehungen. Das führt auf Baustellen oft zu Interessengegensätzen zwischen den Beteiligten. Was für den einen ein Vorteil ist, wird einem anderen zum Nachteil. Im Bauteam bringen sich alle in gleicher Weise ein.

Kein Architekt kennt in allen Gewerken alle Details. Er muss im Bauteam die Fachkompetenz aller Unternehmen in die Planung einbinden. Er kennt die Perspektiven aller Beteiligten und behält gegenüber dem Bauherrn seine Rolle als Anwalt. Er muss den Bauherrn stark in das Bauteam einbeziehen. Besomders, wenn Optimierungsprozesse während der Planung die ursprünglichen Projektziele verändern. Der Architekt kann die Fachplanungen an Fachingenieure übergeben oder als Generalplaner agieren. Ein Bauteam-Verfahren schränkt diese Varianten nicht ein.

Bauherr und Bauteam

Der Bauherr kann im Bauteam-Verfahren unterschiedlich Positionen einnehmen. Wenn er im Bauteam Mitglied ist, wird er während des gesamten Projekts intensiv an Planungs-, Abwägungs- und Entscheidungsprozessen beteiligt. Der Bauherr kann aber auch „nur“ als Auftraggeber agieren. Der Bauherr gibt die Ziele vor. Ob und wie sie umsetzbar sind, wird das Team gemeinsam mit dem Bauherrn erarbeiten.

Auch im Bauteam wird kostenoptimiertes Bauen schwierig, wenn Anforderungen und Wünschen häufig wecseln. Für den Optimierungsprozess stehen neue Anforderungen gegebenenfalls auch zur Disposition. Ein Bauteam-Verfahren eignet sich sowohl für private und gewerbliche Bauherren, als auch Bauherrengemeinschaften. Auch öffentliche Bauherren können im Bauteam planen und bauen.

Ein kooperationsfähiges Bauunternehmen profitiert sehr von einer Mitarbeit in einem Bauteam. Es hat kennt das Gesamtprojekt im Detail und hat dadurch eine sichere Kalkulationsgrundlage für seine Leistungen. Die Arbeitsvorbereitung wird dadurch erleichtert. Unternehmen können sich als Generalunternehmer, in Form einer ARGE oder als Einzelgewerk oder Komplexgewerk beteiligen. Auch ganz wichtig: Ausführenden Unternehmen profitieren nicht von einer fehlerhaften Planung oder Ausschreibung, denn sie wirken bei der Erstellung der Angebote mit und erstellen selbst die Grundlagen für ihre Kalkulation.

Risikoverteilung und Haftung

Wie bei normalen Vertragssituationen haftet jeder Unternehmer für seinen Verantwortungsbereich. Dem Auftraggeber stehen bei einem gemeinsam verursachten Schaden die jeweiligen Beteiligten als Gesamtschuldner zur Verfügung. Das ist ein Vorteil für den Auftraggeber, denn bei Generalunternehmern oder dem Kauf einer Immobilie steht bei einem Ausfall eines Einzelgaranten im schlimmsten Fall niemand mehr für die Mängelbeseitigung zur Verfügung. Außerdem ist die „Insolvenzsicherheit“ für Bauherren beim Bauen im Bauteam hoch, da jedes Bauteam-Mitglied für seine Leistungen haftet.

Auf Baumensch finden Bauteams schnell Kooperationspartner. Hier gibt es einen Leitfaden Bauteam für Architekten und Handwerker.

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