Vision und Idee. Hände halten eine Gluehbirne. Innovation mit der HOAI entwickeln.

Die HOAI schützt Bauherren

In den Bundesländern kämpfen die Architektenkammern seit Jahren für den Erhalt der HOAI (Honorarordnung für Architekten und Ingenieure). Die HOAI ist Preisrecht, also Gesetz! Alle Bauplaner müssen die Honorare danach berechnen. Das Gesetz soll Bauherren vor Preis-Wucher schützen und Preiswettbewerb verhindern. Das ist sehr wichtig, denn Preisdumping geht im schlimmsten Fall auf Kosten der Gebäudesicherheit. Es geht also um die Sicherheit von Menschen. Übrigens: Aus dem gleichen Grund gibt es auch für Ärzte und Rechtsanwälte Honorarordnungen.

Die HOAI schützt Menschen

Gestern telefonierte ich mit einem bekannten Bauunternehmer. Der meinte mal wieder: „Ihr Architekten mit eurer HOAI seid doch selbst Schuld, dass ihr keine Privataufträge mehr bekommt. Ihr seid zu teuer!“ Ist da etwas dran? Nur noch 10% der privaten Bauherren beauftragen einen Architekten/Ingenieur. Die meisten „bestellen“ ihr Eigenheim bei einem Bauträger oder machen alles selbst. „Fertighäuser sind billiger, weil es Serienprodukte sind. Sie werden einmal geplant und dutzendfach gebaut. Das spart Planungskosten.“ Dieses Argument sehen wir uns einmal etwas genauer an.

Planung nach HOAI kostet 17.500€

Fakt ist: Architekten/Ingenieure spielen im individuellen privaten Hausbau fast keine Rolle mehr. Ich gebe zu, die folgenden Betrachtung ist stark vereinfacht, dafür verständlich: Angenommen die reinen Baukosten eines bestimmten Hauses betragen 280.000 €. Bei individueller Planung mit Architekten und Ingenieuren, müsste man dann noch rund 35.000€ Honorar addieren. Alle benötigten Fachleute wären dann enthalten, also: Architekt, Haustechniker und Statiker. Der Betrag umfasst alle Planungsaufgaben und sämtliche für die Baudurchführung erforderlichen Leistungen, z.B.: Bauleitung, Ausschreibung usw.. Also quasi all inclusive.

Bauträger bauen Häuser in Serie. Das heisst, sie planen nur einmal und bauen x-mal. Wir reduzieren den Gesamtbetrag um die Honorare für die Baudurchführung (Planung gespart / entspricht ca. 50%). Warum nur 50%? Nun, auch der Serienbau muss koordiniert werden. Auch schlüsselfertig erstellte Häuser brauchen u.a. Vergabe und Bauleitung. Fazit: Das Honorar fürs Baumanagement eines Bauträgerhauses liegt bei 17.500€. Zusammenfassung:

Individuelles Architektenhaus: 315.000€ | Bauträgerhaus: 297.000€

 Materialisierung berechnen

 

Jeder Neubau 13.500€ Schaden

Stopp! Die Geschichte geht noch weiter. In den letzten 10 Jahren hat sich die Zahl der Mängel und Schäden auf Deutschlands Baustellen im Wohnungsbau/Hausbau mehr als verdoppelt (Quelle: IFB 2015). Statistisch muss jeder private Bauherr mit 30 Schäden im Wert von 13.500€ rechnen. Das ist nur der Durchschnitt! Im Einzelfall liegt der maximale Schaden inzwischen bei 73.000€. Ich glaube, es gibt Zusammenhänge zwischen der „Abwesenheit“ von Architekten/Ingenieuren und dieser negativen Entwicklung. Die Grafik zeigt deutlich: Die meisten Schäden entstehen in der Bauphase.

Statistik Bauschäden

Bauherren Risiko 73.000 €

Bauträger oder Architekt – ich fasse zusammen: 1. Bauherren sparen beim Bauträgerhaus 17.500€ für nicht erforderliche Planung. Sie bekommen dafür ein nicht individualisiertes und erprobtes Serienprodukt. Gleichzeitig birgt die Bauphase das grösste Kostenrisiko, trotz der 17.500€ für die Baukoordination. Die Koordinationskosten werden nicht immer ausgewiesen bzw. auf andere Positionen umgelegt. 2. Für jeden Bauherren besteht eine statistische Schadenshöhe von 13.500€.

These: Die dominierende Bauträgerlandschaft ist für die Schadensentwicklung mitverantwortlich – allein schon wegen der Fallzahlen. Die Erfahrung zeigt außerdem, dass Baumängel bei mangelhafter Baukontrolle entstehen. Im Klartext heisst das: Bauträger sparen regelmäßig bei der Baukontrolle. Daher verpflichten vorsichtige Bauherren regelässig Baubegleiter, die wiederum rund 4.000€ kosten. Rechnerisch sieht das wie folgt aus: (Ersparnis für Serienhaus) – (Kosten für garantierten Schaden) – (Kosten für Baubegleitung) = 17.500-13.500-4.000=0

Ich hoffe, dieser Artikel öffnet neue Perspektiven bei deinen nächsten Gesprächen.

Was kostet ein Architekt?

Hut ab vor dem Anwalt des Bauherren

Möglicherweise überdenkt der eine oder andere Bauherr seinen Weg zum Eigenheim. Die allermeisten Architekten sind immer noch sehr gerne „Anwalt des Bauherren“. Ich ziehe meinen Hut vor allen Kollegen, die für private Bauherren tätig sind, denn das festgeschriebene Honorar für diese hoheitliche Aufgabe deckt in vielen Fällen nicht den entstehenden Aufwand. Im Gegensatz zu einer Bauträgergesellschaft, spart der freischaffende Architekt nicht bei der Bauleitung – das kann er sich schon aus versicherungstechnischen Gründen (Haftung) nicht erlauben. Zu diesem Thema werden ich einen eigenen Beitrag schreiben.