Remote Work für Architekten und Planer | Teil 1

Ist Remote Work nur modischer Schnickschnack oder die Zukunft im Construction Management? Für Coder und andere Wissensarbeiter ist es schon längst normal, an “unmöglichen” Orten zu arbeiten. Sie sitzen nicht im Büro, sondern in Cafes, in Bussen, in Coworking Spaces, im Home Office oder im Hinterhofschuppen und … arbeiten. Sie arbeiten global, vernetzt und kollaborativ an ihren gemeinsamen Projekten. Ja, sie sprechen sogar miteinander 😉 Dank smarter, cloudbasierter Tools IT funktioniert persönliche Kommunikation synchron und asynchron. Remote Worker sind keine Online-Zocker, sondern seriöse Projektarbeiter, die schon viele Jahre in einer digitalen Arbeitswelt leben, während Architekten und andere Planungsbeteiligte noch über den Sinn von “Telearbeit” diskutieren oder sich einseitig am (auch wichtigen) Thema BIM abarbeiten. Mit einseitig meine ich: Ohne intrinsisches Lean-And-Remote-Mindset alle Beteiligten macht BIM wenig Sinn.

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Remote-Worker machen Video Messages, schreiben Sofortnachrichten oder verschicken Sprachnachrichten, anstatt ihre Kollegen an ihrem Schreibtisch zu besuchen. Sie aktualisierem den Projektstatus auf digitales Kanban-Boards oder Repositories und bearbeiten Dokumente in der Cloud. Sie sammeln Ideen auf digitalen Whiteboards und diskutieren die Inhalte mit allen Projektteilnehmern in Webcalls – es ist wie früher im Büro, nur eben in einem virtuellen Raum. Remote Collaboration funktioniert wirklich!

Trotz der vielen Möglihkeiten erkennen viele Bauleute nicht die Chancen, sondern konstruieren stattdessen Probleme. Woher kommt das Misstrauen gegenüber virtuellen Treffen? Ist es die Sorge vor Kontrollverlust? Wird es ohne das physisches Zusammensein, ohne die Unmittelbarkeit der Körpersprache zu noch mehr Kommunikationsproblemen kommen? Dämpfen technischen Probleme die Euphorie – Stichwort Videocalls?

Persönliche Meetings sind im Regelfall unnötig

Die meisten Vorbehalte gegenüber Remote Work sind Ausreden für mangelnde Teamfähigkeit und ein Indiz für fehlendes Vertrauen. Projektarbeiter müssen nur selten an einem Ort zusammenkommen, um gute Arbeitsergebnisse zu liefern. Wenn sich das Bauteam persönlich kennt (physisches Treffen ist ein Muss), sind persönliche Treffen im Regelfall unnötig.

Menschen für eine Firma begeistern? Selbst wenn die alte Welt noch immer von "meinen Angestellten" spricht, bei Baumensch machen wir es anders. Vielleicht ist das ja auch in deiner Firma eine gute Idee. Hier arbeite ich gern!
Ein Lesetipp

Der gute alte Arbeitsplatz ist schon lange kein Ort mehr und der Begriff “Arbeitsplatz” passt ohnehin nicht mehr. Faktisch arbeiten wir schon seit Erfindung des Telefons dezentral. Es sind fehlende Veränderungskompetenz und unbegründete Ängste, die und vom Umdenken abhalten. Und wer nicht umdenkt, ändert seine Handlungen und Arbeitsweisen auch nicht. Alte Begriffe müssen durch neue ersetzt werden, um Veränderungen besser zu verstehen. Auch hier liegt der Schlüssel in der Kommunikation!
Begriffe, die nicht mehr passen: Arbeitsplatz, Arbeitgeber, Arbeitnehmer, Büro, Unternehmenskultur …
Neue Bezeichnungen helfen besser zu verstehen: Projektarbeiter, Teamkultur, Projektkultur …

Im Grunde macht die Debatte über Vor- und Nachteile von Remote Work gar keinen Sinn, denn die Veränderungen ist nicht zu stoppen. Ob es dir passt oder nicht, du wirst irgendwann keine Wahl mehr haben, wenn du erfolgreich Projekte machen möchtest. Wir verraten dir in diesem Beitrag unsere Geheimnisse über Remote Work.

Baumensch-Kultur und der Team-Spirit. Was ist Remote Work?

Im Baumensch Team arbeiten Menschen aus drei Zeitzonen zusammen. Wie das funktioniert und was die Probleme sind, erläutern wir dir  gerne. Wie bei uns durch Remote-Arbeitsprozesse eine ganz neue Form der Arbeitskultur entstehen konnte und wie auch in deinem virtuellen Team eine besondere Teamkultur entstehen kann. Beginnen wir mit den Grundlagen…

Bei “Fernarbeit”, “verteilter Arbeit” und “Telearbeit” werden Aufgaben von Menschen erledigt, die sich nicht am selben Ort aufhalten. Wie im Baumensch-Team, können sogar Zeitzonen zwischen ihnen liegen. Unser Team arbeitet also nicht immer zeitgleich! Während der eine noch schläft, steckt ein anderer gerade mitten in einer kniffeligen Aufgabe. Remote Work bedeutet, an dem einem Tag in den eigenen vier Wänden zu sein und am anderen Tag im Team des Kunden zu sitzen und zu arbeten, während sich Kollegen virtuell dazuschalten. Voraussetzung für diese Art der Team-Arbeit sind perfekte digitale Tools wie: Messenger, Video-Chats, Smartphones und andere Kollaborationstools.

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Remote Team ist nicht gleich Remote Team – es gibt 3 Typen:

Typ 1: Fully Remote Teams – unabhängig zusammen

Wenn ein Unternehmen keine eigenen Büros hat und alle Mitarbeiter von zu Hause, unterwegs oder in anderen Büroräumen arbeiten, handelt es sich um Fully Remote Teams. Das Setup hat echte Herausforderungen, aber es hat auch viele Vorteile. Für ein Fully Remote Team müssen vom ersten Tag an Prozesse und Technologien zur Verfügung stehen. Ein Fully Remote Team ist abhängig von einer reibungslos funktionierenden IT-Struktur. In der IT-Welt gibt es viele Fully Remote Teams, die als Branchenführer gelten, wie: InVision, Buffer, Automattic, GitLab und Zapier (um nur einige zu nennen).

Typ 2: Distributed Office Hubs – Niederlassungen mit Arbeitsteilung

Wenn ein Unternehmen beschließt, Distributed Office Hubs von seinem Hauptsitz aus weitere kleine Büros an anderen Orten einzurichten, wird die Arbeit aufgeteilt. Die Leitung entscheidet, wer in jedem lokalen Team arbeiten wird und welche Rolle sie/er für das Headquarter übernehmen kann. Eine sorgfältige Abwägung innerhalb der Organisationsstruktur ist zu treffen. Ziel der Distributed Office Hubs sind symbiotische Beziehungen zwischen den lokalen Teams und den zentralisierten Teams. Alle müssen ein gutes Gespür für ihre Rollen und den damit verbundenen Erwartungen bekommen. Verantwortlichkeiten und Kommunikationswege müssen klar sein und die Leitung legt fest, welche Einheiten miteinander in engerer Beziehung stehen. Dies sind die drei häufigsten Formen von Distributed Office Hubs:

a) Satellite Office: Dieses Modell ist für lokale Projekte gut zu realisieren, da es eine unidirektionale Delegationslinie vom HQ zu den Remote Teams für die Projekte gibt.

b) Local Ownership: Dieses etwas größere Modell benötigt eine starke örtliche Leitung mit eigenen Kompetenz-Teams. Das Local Team setzt das Projekt um, während die Zentrale das übergeordnete Ziel überwacht.

c) True Partnership: Diese Form ist am schwierigsten umzusetzen. Man braucht erfahrene Teams – im Idealfall auch aus dem Bereich Forschung und Entwicklung. Die lokalen Partner bearbeiten Projekte kooperativ mit Teams aus der Zentrale.

Typ 3: Hybrid Teams – die bunte Mischung

Dies ist das Hybrid-Modell, bei dem die Teammitglieder weder Fully Remote, noch ausschließlich aus Standorten heraus arbeiten. Unternehmen handhaben die Ausprägung dieser Remote-Version individuell – ja nach Anforderungen des Mitarbeites oder der Tätigkeit. Einige Mitarbeiter arbeiten tageweise von zu Hause aus, andere sitzen fest in einem Büroraum und wieder andere arbeiten projektbezogen dauerhaft remote. Unabhängig von der Motivation verwenden diese Teams dieselben Tools wie die Fully Remote Teams, weil sich mindestens einer im Team immer woanders aufhält. Im Zentrum dieser Unternehmensform steht nicht die Organisation, sondern das Projektziel. Diese EIgenschaft kann man allen Remote-Unternehmen unterstellen. Auch die Hybrid Teams sind abhängig von einer gut funktionierenden IT-Infrastruktur.

Warum Fernarbeit die Zukunft der Beschäftigung ist

Bei einer Deloitte-Umfrage im Jahr 2017 unter mehr als 10.000 Geschäfts- und Personalleitern aus 140 Ländern ist die Organisation der Zukunft ein „Netzwerk von Teams“. Diese Teams werden viel dynamischer und die Arbeit wird dezentral sein! Abgesehen von einem allgemeinen Trend zu dezentraler Teamarbeit, erkennen immer mehr Unternehmern die Vorteile bei der Rekrutierung von hochqualifizierten Mitarbeitern. Für wissensbasiertes Arbeiten gilt: Menschen sind die entscheidenden Komponenten für Unternehmenserfolg – es ist egal, wo diese Menschen arbeiten. Hier sind die Hauptgründe, warum Unternehmen Remote Teams aufbauen:

1. Kosten senken

Der größte Vorteil von Remote Teams ist die Kostensenkung. Laut einem Bericht des Unternehmens PGi, einem Anbieter von Kommunikationslösungen, aus dem Jahr 2019 sparen Unternehmen durchschnittlich 10.000 € pro Mitarbeiter im Jahr für Büromieten ein. Trotz eines mehrtägigen Team Events im Jahr sind die Remote-Einsparungen pro Person immer noch größer. Ein Artikel von n-tv bestätigt, dass die Corona-Krise dem Thema einen Schub verpassen kann.

2. Unternehmen wollen Top-Talente

Je nachdem, wo sich ein Unternehmen gründet, kann es schwierig sein, Top-Talente zu rekrutieren. In Frankfurt oder München kann es aufgrund von ansässigen Konkurrenten schwierig und teuer werden die besten Fachkräfte für sich zu gewinnen. Für Unternehmen, die in einer kleineren Stadt gegründet sind, könnte es schwierig sein, potenziellen Mitarbeiter davon zu überzeugen, dorthin zu ziehen und ihren Lebensstil für einen neuen Job zu ändern. Der Aufbau eines Remote-Teams bietet diesen Unternehmen also mehr Flexibilität, um Top-Talente aus der ganzen Welt einzustellen. Immer mehr Menschen erwarten im Job Flexibilität für Fernarbeit. Über 70 % der Menschen geben an, dass die Möglichkeit für Remote Work bei der Auswahl ihres nächsten Arbeitsplatzes wichtig ist.

3. Höhere Mitarbeiterbindung

Wenn Remote-Arbeit einen NPS hätte, wäre dieser sehr hoch. Laut einer Umfrage unter Remote-Mitarbeitern sind 91 % der Meinung, dass Remote-Arbeit gut zu ihnen passt. Da der Trend gewachsen ist, berichten die Menschen im Allgemeinen über die Vorteile flexibler Zeitpläne, Work-Life-Balance und Produktivitätsverbesserungen. Die Möglichkeit, remote zu arbeiten, beeinflusst die Loyalität der Menschen gegenüber ihrem Arbeitgeber. Das Marktforschungsunternehmen Gartner schätzt, sich die Mitarbeiterbindungsrate um mehr als 10% steigern lässt, wenn es eine Unternehmenskultur gefördert wird, bei der Mitarbeiter ihren eigenen Arbeitsstil wählen können.

4. Ethnische Vielfalt für höhere Produktivität

Die Einstellung von Top-Talenten aus verschiedenen Städten, Ländern und kulturellen Hintergründen unterstützt die Bildung eines diversifizierten Teams mit entsprechendem Wettbewerbsvorteil. Laut einem McKinsey-Bericht über 300 börsennotierte Unternehmen hatten Organisationen, die im oberen Quartil für ethnische Vielfalt im Management liegen, eine um 35 % höhere Wahrscheinlichkeit, finanzielle Renditen zu erzielen, die über ihrem Branchendurchschnitt liegen, und Organisationen im obersten Viertel für geschlechtsspezifische Vielfalt 15% höhere Renditen über dem Branchendurchschnitt.

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5. Die Nachhaltigkeit der Fernarbeit

Die ökologische Nachhaltigkeit ist ein weiterer langfristiger Vorteil von Fernarbeit. Laut der Untersuchung von Global Workforce Analytics würde dies in den USA zu folgenden Einsparungen führen, wenn Menschen mit Remote-Arbeit-Potential die Hälfte der Zeit tatsächlich remote arbeiten würden: 54 Millionen Tonnen CO2 (entspricht einer jährlichen Stilllegung von fast 10 Millionen Autos), 100 Mrd. Liter Öl (im Wert von 64 Mrd. $ ) und 191 Mrd. km Autobahnfahrt. Unternehmen können die positiven Auswirkungen für unseren Planeten auch zur Kundenansprache nutzen. Laut einer Nielsen-Studie sind 55 % der weltweiten Online-Verbraucher bereit, mehr Geld für Produkte und Dienstleistungen zu zahlen, wenn sich die Hersteller derer für positive soziale und ökologische Zwecke einsetzen.

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