Besprechung am Laptop Kleine Büros wenig Ertrag

Kleine Büros haben wenig Ertrag

Eine Umfrage aller 16 Länder-Architektenkammern mit 7.000 Selbstständigen Architekten zeigt: Einzelkämpfer und kleine Büros haben wirklich wenig Ertrag und je grösser ein Büro, desto lukrativer sind die Aufträge. Dort verdienen Mitarbeiter auch etwas besser und haben mehr Karrierechancen. Individuell und unabhängig von einer großen Organisation – DAS Idealbild des freien Architekten! Doch die Freiheit ist Luxus und wird regelmäßig mit Verzicht bezahlt.

Reichen 30.000 Euro Überschuss?

Die wirtschaftliche Lage hängt erheblich von der Bürogröße ab. Ein Drittel aller Büros – die meisten davon Kleine – erwirtschaften höchsten 30.000 Euro pro Inhaber. Dieser Betrag muss für Vorsorge und Investitionen reichen. Schon bei drei Mitarbeitern verdient ein Büroinhaber fast doppelt so viel wie ein Einzelkämpfer. Im Vergleich dazu haben Inhaber von Büros mit über 10 Personen ein durchschnittlichen Jahresüberschuss von 160.000 Euro!

Aufträge für 10 Monate im Voraus

Große Büros haben Aufträge für die nächsten 10 Monate, während kleine Büros nur 7 Monate in die Zukunft sehen können. Ein Drittel der Einzelkämpfer klagt zudem über mangelnde Auslastung. Bei den Großen sind es nur 5%. Kein Wunder, dass diese ihre wirtschaftliche Lage besser bewerten als die Kleinen.

Die Märkte sind klar zwischen Klein und Groß aufgeteilt. Nur 40 Prozent der Einzelkämpfer planen Neubauten, doch rund 6o Prozent der großen Büros dürfen das. Die aufwendige, nicht immer gut honorierte Arbeit im Bestand ist eine Domäne der Kleinen. Rund 60 Prozent sind hier tätig, doch nur 40 Prozent der Großen.

Die Großen machen öffentlich – kleine Büros machen privat

Auch die öffentlichen Baumaßnahmen sind fest in den Händen großer Büros. Fast die Hälfte der Aufträge kommen von der öffentlichen Hand. Bei den Einzelkämpfer-Architekten sind es knapp zehn Prozent. Während siebzehn Prozent der großen Büros für Bund und Länder tätig sind, sind es bei den Kleinen nur drei Prozent. Dafür gewinnen kleine Büros mehr Aufträge über VOF-Verfahren.

Eindeutig: Das Standbein der Kleinen sind Privataufträge. Mehr als die Hälfte der Projekte sind aus diesem Segment. Bei den Grossen sind es in dem Bereich nur fünfzehn Prozent. Der Anteil gewerblicher Aufgaben wächst zusammen mit der Bürogröße.

Die kleinen Büros sind mehr regional orientiert, während große Büros gut ein Drittel der Aufträge in anderen Bundesländern akquirieren. Einzelkämpfer sind fast nur im Inland tätig, Große haben bis zu 15% ihrer Aufträge im Ausland. Orte bis 20.000 Einwohner sind die Existenzgrundlage kleiner Büros, die drei Viertel ihrer Aufträge aus diesem Bereich erhalten. Bei den Großen haben nur 3% einen lokalen Schwerpunkt in kleinen Orten. Sie konzentrieren sich eher auf Metropolen, wo Konzerne und potente Auftraggeber ansässig sind.

 

Diagramm Kleine Büros

Spezialisierung auch bei großen Büros

Überraschenderweise werden auch Große nicht zu Generalisten die immer für alle Bauaufgaben einen Experten vorhalten. Das Gegenteil ist der Fall: Der Grad der Spezialisierung steigt mit der Bürogröße. Zwei Drittel fokussieren auf bestimmte Tätigkeitsfelder , ein Viertel sogar auf bestimmte Bauherren. Interessant ist dabei die Frage, was bei den Großen Ursache und was Wirkung ist: Wachsen Büros erst und spezialisieren sich dann oder werden sie groß, weil sie sich thematisch konzentrieren?

Anteil der Akademiker im Planungsbüro

In Büros mit bis zu vier Personen sind nur ein Viertel der Beschäftigten Architekten oder Absolventen einer ähnlichen Fachrichtung. Bei den Großen haben rund sechzig Prozent der Beschäftigten einen akademischen Hintergrund.

Bei Kleinen ist der Anteil freie Mitarbeiter höher, was auf mehr Routine beim vernetzten Arbeiten schließen lässt. Nachwuchs-Planer haben hingegen bei Großen bessere Chancen unterzukommen. Achtzig Prozent der großen Unternehmen engagierten Hochschulabsolventen, während nur vierzig Prozent der Kleinen das tun. Große Büros bezahlen Absolventen auch besser. Einsteiger erhalten dort rund 2.300 € Brutto, während es bei kleinen Büros ca. 200 € weniger sind.

Wachsen macht nicht immer Sinn

Ist es dann immer gut zu wachsen? Manchmal ist ein größeres Büro nicht vorteilhaft. Für Spezialisten, die ihr scharfes Profil behalten wollen oder für Büros in Regionen mit überwiegend kleinen Bauaufgaben zum Beispiel. Viele Bauherren schätzen zudem die persönliche Betreuung. Mehr Kooperation macht dort viel Sinn, wo sich kleine und große Büros im selben Markt bewegen. Eine enge Kooperation oder gar Fusion von Kleinunternehmern kann die Auftragsbeschaffung und die Büro-Orga erheblich erleichtern.

Freiwillig freier Mitarbeiter

Eine besondere Gruppe sind die freien Mitarbeiter. Dabei handelt es sich um Selbstständige, die regelmäßig für andere Architekturbüros tätig sind. Was motiviert sie zu dieser Beschäftigungsart? Sechzig Prozent von ihnen sagen, eine Festanstellung sei nicht mit ihrer Lebensplanung vereinbar. Sie möchten Zeit für Kinder, Familie oder die Pflege von Angehörigen haben. Auch ein Grund: Knapp vierzig Prozent befinden sich in der Gründungsphase eines eigenen Büros und 30% geben an, keine Festanstellung gefunden zu haben. Über die Hälfte arbeitet dabei in Vollzeit.

Fast alle arbeiten dabei auf Stundenbasis. Allerdings werden diese nur bei rund 20 % nach HOAI abgerechnet. Und das, obwohl die Auftraggeber das bei ihren Kunden selbst so tun! So verdienen grosse Büros durch Unterbeauftragung Geld! Zudem liegt der Stundensatz bei zwei Dritteln der freien Mitarbeiter zwischen 20 und 40 Euro. Nur sechzehn Prozent erhalten mehr als 50 Euro pro Stunde. Trotzdem wollen siebzig Prozent der freien Mitarbeiter diese Existenzform für sich behalten.